Fuchsjagd: in hellen Nächten und regnerischen Tagen

Die Jagd auf den Fuchs hat viele Gesichter, und es gibt wohl kein Revier, in dem der Fuchs nicht Standwild ist. Bedroht ist er auch nicht, und der vollreife Winterbalg lohnt allemal.

Veröffentlicht am 10.01.2022

Im Denken vieler Menschen «wohnt» der Fuchs im Bau, der seinen Namen trägt. Tatsächlich steckt er eher selten im Bau, und letzterer wurde mehrheitlich vom Dachs gegraben. Es sind die grauen, nassen Spätherbst- und Frühwintermonate, in denen der Fuchs den Tag mehr oder weniger regelmässig im Bau verschläft. Im November, wenn der Wind mit dem Laub am Boden spielt, im Dezember, wenn der erste nasse Schnee die Dickung ungemütlich macht, da ist die Baujagd besonders erfolgreich. Auch in der Ranz kehrt der Baujäger selten ohne Beute heim. Allerdings sind die Füchse dann auch reichlich unzuverlässig. Die Ranzgesellschaften verstänkern Baue, in denen sonst das ganze Jahr hindurch kein Fuchs steckt, und weil die Rüden zudringlich sind, fahren die Fähen oft rasch wieder aus. Aber es stinkt nach Fuchs, was Jäger und Hund erfreut.

Ein alter Spruch sagt, der Fuchs fahre nicht mit nassem Balg in den Bau. Das stimmt nachweislich nicht. Angenommen, wir wurden im Regen «wischelnass» und die Frau verweigert uns die Wohnung, setzen wir uns auf die Gartenbank in den Regen oder flüchten wir in unsere kleine Kellerwerkstatt? Also!

 

Stehen, Maul halten und warten

Gerade bei trockenem, sonnigem Wetter halten sich viele Füchse auch tagsüber im Freien auf. Wärs nicht so, würden wir auf den Treibjagden keine Füchse schiessen. Natürlich spielt auch die Struktur des Reviers eine gewisse Rolle. Wo es nur kleine Waldparzellen in Dorfnähe gibt, die auch noch stark von Menschen belaufen werden, mag der Fuchs den Bau vorziehen.

Baujagd verliert an Reiz und Erfolg, je mehr Jäger daran beteiligt sind! Mehr als drei sollten es wirklich nicht sein, zwei sind schon besser, und alleine mit dem eigenen Hund macht sie am meisten Spass.

Ich will mich ganz auf den Bau konzentrieren können und mir keine Gedanken um Nachbarschützen machen müssen. Wie bei jeder Jagd will der Wind berücksichtigt werden, wir sollten nicht zu dicht an einer befahrenen Röhre stehen, und der springende Fuchs darf uns nicht ins Gesicht schauen.

A propos Hund: Nie zwei oder mehrere Hunde gleichzeitig in den Bau lassen, es sei denn, die beiden kennen und mögen sich sehr, etwa Mutter und Tochter. Im Grunde verkomplizieren zwei Hunde die Situation im Bau.

Vor allem aber darf der Fuchs nichts merken: nicht unseren Anmarsch, kein Herumtrampeln auf dem Bau, kein lautes Anrüden des Hundes, keine Zurufe. Wir ersparen uns, dem Hund ständig Ratschläge zu erteilen, denn wenn wir mehr wüssten als er, könnten wir ja selbst in den Bau.

Der Hund ist auch kein «Köter», nur weil er zunächst Laut gegeben hat, um danach zu erkennen, dass der Fuchs nicht mehr steckt. Ist der Fuchs gesprungen, überlassen wir es dem Hund, ob er weitermachen oder aufgeben will. Da gibt es freilich noch das Problem Dachs. Nicht wenige Hunde legen sich mit ihm an. Völlig kontraproduktiv ist es, ihn lautstark vom Dachs abrufen zu wollen. Unsere giftigen wie sinnlosen unter die Erde gebrüllten Kommentare spornen ihn erst richtig an. Schaut er kurz aus dem Bau und sieht uns, fühlt er sich ebenfalls bestärkt und zum Weitermachen aufgefordert. Also am besten zusammenpacken – ausser Wind und Sicht gehen – Rucksack oder Mantel ablegen und abseits warten, bis der Hund kommt. Hat er Hirn, wird er bald begreifen, dass es keinen Sinn macht, sich mit dem Dachs anzulegen.

Wir wollen ein Graben auf alle Fälle vermeiden. Gleichwohl hat der Baujäger Grabwerkzeug greifbar.

Sitzen, hoffen und schiessen

Nicht jeder Jäger hat einen Bauhund, und nicht in jedem Revier gibt es Baue, in die man den Hund guten Gewissens schliefen lassen kann. Aber Baue gibt es nahezu überall. Und ob der Fuchs den Bau verlässt, weil ihm drinnen der Hund lästig wird oder ob wir vor dem Bau auf ihn passen, weil er keine Ahnung von uns hat, das ist im Ergebnis ähnlich.

An einem grösseren Bau sollte auch ein Hochsitz stehen. Eine Leiter, aber keine aus Metall! Etwas abseits der Hauptröhren steht sie am besten, auch wieder so, dass der ausfahrende, und in der Röhre zunächst sichernde Fuchs uns nicht ins Gesicht schaut. Wir müssen mit dem Gewehr unbemerkt hochfahren können!

Am meisten Erfolg haben wir am Spätnachmittag, respektable beim Abendansitz. Der Fuchs fährt einfach zuverlässiger aus als ein. In der Früh verbummelt er sich mitunter. Wir warten wenn er ausfährt immer, bis er sich etwas von der Röhre entfernt hat; das ist sicherer. Während wir bei der Baujagd auch nach einem Schuss noch auf einen oder weitere Füchse hoffen dürfen, folgt beim Ansitz kein zweiter. Es gibt ja im Bau keinen Druck durch den Hund, und wenn es draussen kracht, bleibt er drinnen. Eine Ausnahme gibt es freilich. Gerade in der Ranz fahren nicht selten zwei Füchse gemeinsam aus. Lässt man sie weit genug von der Röhre weg und führt eine Flinte, ist eine Doublette durchaus möglich.

Ob man eine Flinte führt oder doch lieber ein kombiniertes Gewehr, hängt von der Örtlichkeit und der persönlichen Vorliebe ab. Schrot und Kugel .222 Rem. sind für den Fuchs beim Ansitz nahezu ideal.

Man muss nicht unbedingt am Bau sitzen, um einen Fuchs zu erlegen. Fast immer verlassen die Füchse am Abend den Wald, um in den Wiesen und Äckern nach Nahrung zu suchen. Haben sie den Wald verlassen, werden sie unberechenbar; man weiss nicht, wohin sie sich wenden. Doch vom Wald ins Feld nehmen sie häufig einen ziemlich direkten Weg. Ihre Pässe findet der Jäger bei Schnee, und wenn er in der Woche vor Vollmond am Waldrand oder in der Nähe sitzt, hat er bei klarem Himmel lange Licht.

Kirren, stinken, hoffen

So ein wenig können wir den Fuchs mit Kirrbrocken «lenken». Je näher wir damit an den Wald heranrücken, umso zuverlässiger steuert er den Platz zuerst an. Gute Kirrplätze sind Hecken im Feld, Obstbäume und Uferstreifen. Ein gutes Kirrmittel ist getrockneter Rinderpansen, der überall als Hundefutter erhältlich ist und sich leicht in kleine Stücke brechen lässt. Noch besser sind Köpfe und Häute, wie sie beim Filetieren geräucherter Forellen anfallen! Ich gebe davon zu Beginn der Jagdzeit immer einige in kleines Zwiebel- oder Zitronennetz, das ich in einem Strauch aufhänge. Der Wind trägt die Witterung weit in die Landschaft; sie wird aber von Menschen nicht wahrgenommen. In der näheren Umgebung des Netzes streue ich regelmässig feine Pansenteile oder einige Forellenköpfe. Bei trockener Witterung eignet sich auch gepresstes Hunde- oder Katzenfutter. Nie zu viel streuen, da sonst nur Vögel aller Art angelockt werden. Ausserdem soll das Kirrfutter nicht auffallen. Schiesst man an einem solchen Platz nicht, bleibt er für die Füchse unverdächtig.

Anders ist es beim eigentlichen Luderplatz, den ich in vielen Schweizer Kantonen anmelden muss. Dort sitzt der Jäger natürlich, und je näher der Luderplatz am Dorf oder an einzelnen Bauernhäusern liegt, umso argloser ist der Fuchs. Er hat ja auch keine Scheu, mitten ins Dorf zu gehen. Hier stört die Witterung des Jägers am wenigsten und hier kommt er jederzeit ohne grosse Probleme hin. Vielfach ist eine kommode Ansitzgelegenheit auch vorhanden, und der Jäger muss weder Luderhütte noch Hochsitz bauen. Selbstläufer unter den Luderplätzen sind Misthaufen. Wenn der Bauer so ab Allerheiligen nach der Stallarbeit ein paar Brocken auf den Mist wirft, suchen ihn im Laufe der Nacht alle auf, die Fuchs heissen und in der Umgebung wohnen. Häuser und Misthaufen werden zuverlässiger angelaufen als jeder andere Punkt im Revier!

Im Allgäu sass ich hin und wieder bei einem Freund auf den Fuchs an. Er hatte sich eine einfache Luderhütte, mit Blick auf den Misthaufen, neben den Stall gestellt. Mehrmals sprang der Fuchs ab, wenn ich so nach dem Abendessen zur Luderhütte ging, und selten liess er mich mit seiner Rückkehr länger als eine halbe Stunde warten. Im und um den Stall riecht es immer nach Mensch, und es ist nie wirklich still. Das Vieh verursacht Geräusche, der vom Fuchs als harmlos erkannte Hofhund bellt, Türen schlagen.

Hat man einen Fuchs geschossen und ist noch nicht dem Erfrieren nahe, bleibt man nach dem Schuss einfach sitzen. Manchmal erscheint schon nach zehn Minuten der nächste Fuchs. Dann muss man damit rechnen, dass er den bereits erlegten anschneiden will! Man wird ihn also zur Verteidigung seines Eigentums auch erlegen.

Immer wieder wird diskutiert, zu welcher Zeit am meisten Bewegung ist. Ich kann das nicht eindeutig beantworten. Gleiche ich all die vielen am Luderplatz erlegten Füchse ab, dann fielen um 19 Uhr so viele oder so wenige wie um 23 Uhr. In der Regel begann ich beim zunehmenden Mond schon früh zu sitzen und hielt so drei Stunden aus. An den Folgetagen sass ich eher etwas später und blieb dafür länger. Nach Mitternacht lag ich meist schon im Bett oder arbeitete für die Winzereigenossenschaft in der Bereitstellung von Leergut. Folglich kann ich mir für die Stunden nach Mitternacht kein grosses Urteil erlauben. Wohl behauptete einer meiner Jagdnachbarn, der grundsätzlich nach getaner Stallarbeit seinen Hochsitz bezog und bis zum Morgen sitzenblieb, dass es hinsichtlich der Aktivität der Füchse keine wirklich grossen Unterschiede gäbe.

 

Schweigen, klagen, schiessen

Eine Jagd auf den Fuchs, die heute eher selten ausgeübt wird, ist das Reizen. Damit ist nicht gemeint, dass wir einen zufällig ausser Schussweite anlaufenden Fuchs anmäuseln oder wenn wir beim nächtlichen Ansitz einen weit draussen übers mondbeschienene Feld trabenden Fuchs mit der Hasenklage irritieren wollen. Nein, wir können auch am hellen, sonnigen Nachmittag einen Fuchs heranquäken. Das ist eine besonders im Spätwinter passende und funktionierende Jagdart. Die Füchse verbringen die Tage jetzt überwiegend im Freien, bevorzugt südseitig (sonnenbeschienen) und ohne starken Wind. Auch ist die Ranz, dieser Mensch und Tier gleichermassen ausser Verstand setzende Hormonterror, vorbei. Hunger hat jetzt wieder einen höheren Stellenwert als Sex – auch Füchse ticken wieder normal!

An einem solch sonnigen Spätwinter-Nachmittag, wenn die Mäuse und Abfälle der vergangenen Nacht schon weitgehend verdaut und Streifzüge durch die Felder noch zu gefährlich sind, steht der Fuchs gerne zu. Der Jäger, der auch im Winter gelegentlich ausserhalb seines Allradfahrzeuges unterwegs ist, hat schon eine Ahnung und ein Gespür, wo Füchse gerne den Tag verschlafen. Jetzt muss er nur noch für sich selbst einen geeigneten Platz suchen.

·       Der Fuchs muss ihn trotz aller Nebengeräusche (Wind, Verkehr) hören, wenn er einen sterbenden Hasen mimt.

·       Der Wind muss passen.

·       Es darf ihn und den vermuteten Fuchs kein regelmässig begangener oder befahrener Weg oder gar eine Strasse
        trennen.

·       Der Fuchs soll halbwegs gedeckt anwechseln können und dennoch frühzeitig gesehen werden.

Geht die Rechnung auf, trägt der Jäger befriedigt einen Fuchs im noch verwertbaren Balg heimwärts – zum Auto halt.

 

Drücken, treffen, abbalgen

Jetzt haben wir noch eine wichtige und sehr schöne Jagdart auf den Fuchs vergessen. Ihr Vorteil ist, dass sie nicht an einen Monat gebunden ist – das Drücken. Dazu bedarf es eines Helfers oder einer Helferin. Der Jäger tut folglich gut daran, den Bund einer Ehe einzugehen; Jägerfrauen wissen in der Regel, worum es geht, aussereheliche Zweitverbindungen sind meist zu sehr hormonbelastet. Also – wieder ernsthaft – wir wissen aus Erfahrung (Schnee weiss mehr als CIA und BND), in welchen Dickungen oder Schlägen die Füchse gerne stecken. Am besten eignen sich kleinere Flächen, nicht grösser als zwei, drei Hektar.

Füchse haben, wenn sie gestört werden, das Bestreben, möglichst schnell die nächste Deckung zu erreichen, und sie verzichten auch zwischen Tageseinstand und angesteuerter Örtlichkeit ungern auf ein Minimum an Deckung. Das muss nicht viel sein: ein Hohlweg, vielleicht nur eine alte Wagenspur, etliche Verjüngungshorste oder einfach Waldgras. Aus der Sicht des Fuchses sieht die Welt ja völlig anders aus wie aus unserer metrisch erhöhten Sicht. Geländemulden nimmt er gerne an, während in Bewegung gesetzte Rehe eher nach oben streben.

Was wir brauchen ist ein Platz, der uns Deckung und Sicht gleichermassen gewährt, dazu noch eine Hasenquäke und ein Maul voll frohe Hoffnung – mehr nicht!

Das grössere Gespür muss bei einer derartigen Aktion jene Person aufbringen, die den Fuchs in Bewegung setzen soll! Es ist vorteilhaft, wenn der Fuchs sie frühzeitig vernimmt. Also nicht leise an die Dickung schleichen und zum vereinbarten Zeitpunkt losmarschieren. Am besten halblaut mit sich selber reden. Durchaus auch leicht U-förmig hinten um die Dickung gehen. Zwar wird immer behauptet, der Fuchs verlasse grundsätzlich die Dickung gegen den Wind; das mag so sein, aber Füchse können nicht lesen und orientieren sich wenig an unseren Vorstellungen … Nach meiner Erfahrung ist es nicht schlecht, wenn der Wind Witterung und Laute des Helfers oder der Helferin zu ihm hin trägt.

Früher war es bei uns noch üblich, auf der Rückseite das eine oder andere «Gespenst» aufzuhängen. Man hing einfach ausserhalb der Dickung, in welcher der Fuchs vermutet wurde, gut sichtbar einen Mantel oder Umhang auf. Das waren für den sich eventuell nach hinten davon stehlenden Fuchs optische wie geruchliche Barrieren. Man kann auch jene rot-weissen Absperrbänder verwenden, wie sie in jedem Baumarkt erhältlich sind. Locker aufhängen, damit sie sich im Wind bewegen!

Muss man eine Fuchsdickung auch seitlich etwas absichern, ist es sinnvoll, vorher Kinder zu zeugen und diese ohne iPhone aufwachsen zu lassen. Diese werden in einigem Abstand zur Dickung abgelegt und dürfen sich laut unterhalten, ja sogar streiten. Umso sicherer wird der Fuchs darauf verzichten, zu beherzigen, was in Lehrbüchern steht.

Ach so – ohne grossen Lärm und nicht in gerader Linie durchgehen lassen. Der oder die Durchgeher(in) darf es sich bequem machen, muss nicht durch den dichtesten Verhau, aber sie soll sich in der Dickung bewegen wie ein Vorstehhund bei der Hühnersuche. Jetzt müssen wir wahrscheinlich einen Fuchs fragen, wie das damals war, die meisten von uns haben es nicht mehr erlebt!

Text: Bruno Hespeler, Fotos: Markus P. Stähli, Karl-Heinz Volkmar

 

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