Wildtieren geht es ohne Fütterung besser

· Dezember 20, 2017

Der Kanton St. Gallen bestimmt die Notmassnahmen für Rothirsche im Winter. Ruhe und geeignete Lebensräume helfen mehr als Fütterungen.

Wildtiere haben verschiedene Überlebensstrategien entwickelt und sind für den Nahrungsengpass und tiefe Temperaturen im Winter gut vorbereitet. Fortbewegung und Raumnutzung im Winter werden massiv reduziert, ebenso der Stoffwechsel, die Körpertemperatur, der Puls und die Verdauung. Weil sie so weniger Energie verbrauchen, brauchen sie auch weniger Nahrung. Wildtiere überleben den Winter am besten, wenn die Bestände dem Nahrungsangebot angepasst sind und nicht gestört werden, damit die Tiere im Energiesparmodus bleiben können.

Damit Wildtiere den Winter gut überleben, müssen folgende Bedingungen sicher gestellt sein:

  • Der Wildbestand ist dem Lebensraum angepasst. Mit einer fachlich orientierten Jagdplanung und gut umgesetzter Abschusserfüllung sorgen Behörden und Jägerschaft für gesunde Wildbestände.
  • Dem Wild steht genügend strukturreicher Lebensraum mit Wald, Lichtungen, Feldern, Weiden und Bächen zur Verfügung, in dem verschiedene Tier- und Pflanzenarten leben.
  • Funktionierende Wildruhezonen schützen das Wild in ihren Kernlebensräumen vor störenden Freizeitaktivitäten in der sensibelsten Jahreszeit.

Auch bei besten Voraussetzungen können harte Winter einen hohen Preis fordern. Ein früher Wintereinbruch, lang anhaltende Kälte und viel Schnee bedeuten für die Wildtiere eine harte Zeit. Auf solche Notzeiten reagiert das Amt für Natur, Jagd und Fischerei mit folgenden Massnahmen:

  1. Die Bevölkerung wird über die Medien über die Situation informiert. Darin wird gezielt auf die Auswirkungen von Wintersportaktivitäten und die Bedeutung von Wildruhezonen hingewiesen.
  2. Die Wildhut verstärkt gemeinsam mit den Bergbahnen, dem Forstdienst und den lokalen Jagdgesellschaften die Kontrolle der Wildruhezonen.

Fütterungen gehören nicht zu diesen Notmassnahmen, denn sie setzen den natürlichen Energiesparmodus ausser Betrieb, erhöhen den Energiebedarf und führen bei falscher Nahrung zu Verdauungsproblemen. Ohne Fütterungen verteilt sich das Wild besser in den Wintereinstandsgebieten, hohe Konzentrationen auf kleinstem Raum bleiben aus, was zu weniger Wildschäden, z. B. durch Schälungen, führt. Auch der soziale Stress und die Seuchengefahr für Mensch und Tier sind ohne Fütterungen geringer.

«Der Dachverband der St.Galler Jagd steht hinter diesem Konzept», sagt Peter Weigelt, Präsident von Revierjagd St. Gallen. «Ein dem Lebensraum angepasster Wildbestand und Ruhe in den Wintereinstandsgebieten ist grundlegend, damit das Rotwild die kalte Jahreszeit gesund übersteht und die Schäden an land- und forstwirtschaftlichen Kulturen tragbar blieben.»

Konzept: www.anjf.sg.ch/home/jagd/wildtiere

Foto: Markus P. Stähli

Filed under: News

-->