Welpen im neuen Zuhause

· März 26, 2013

Die ersten Wochen der Hundeerziehung – eine anstrengende, aber auch spannende Zeit. Hundeexperte Ueli Bärtschi berichtet über Vertrauensbrüche, Korrekturen und Lernerfolge.

Welpen im neuen ZuhauseDa ist er, der Welpe, angekommen in seinem neuen Zuhause. Was ist es nun, was er von seinem «Herrchen» und anderen Bezugspersonen lernen und erhalten soll? Die Antwort ist im Grunde genommen einfach: Es ist Vertrauen! Dies tönt jedoch viel einfacher, als es tatsächlich ist, denn manchmal hagelt es zu Beginn nur so von Vertrauensbrüchen. Diese entstehen oft durch Unwissen oder Handlungen, bei welchen der «Verursacher» eigentlich selbst erkennen müsste, dass sie jegliches Vertrauen zerstören, er aber davon überzeugt ist, dass es das Beste für seinen Welpen sei. Manchmal sind es überlieferte Vorgehensweisen von früher, die einfach so gemacht werden, ohne sie je zu hinterfragen.

Die meisten Vertrauensbrüche entstehen im Zusammenhang mit der Hundeerziehung. Beispielsweise bei der Korrektur der ersten «obligatorischen Unfälle» wie das Anknabbern von Möbeln oder anderen Gegenständen, bei mangelnder Stubenreinheit, beim Verlassen vorgeschriebener Orte. Im Rahmen dieses Beitrages möchte ich diese Punkte gerne etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Probleme und ihre Lösungen

Grundsätzlich gilt es, alle vorhersehbaren «Probleme » nicht geschehen zu lassen, sondern diese lieber vorsorglich aus dem Weg zu räumen. Also gezieltes Vermeiden anstatt Geschehenes ausbügeln zu müssen. Für einen Welpen sind solche nachträglichen Korrekturen oft nicht zu verstehen. Häufig wird man das Missgeschick des Welpen ohnehin erst im Nachhinein feststellen. Eine Korrektur bringt hintendrein überhaupt nichts mehr.

Beispiel 1: Anknabbern von Gegenständen

Es ist eine relativ kurze Zeit, in welcher der Welpe einen unglaublich grossen Drang verspürt, mit seinen spitzen Milchzähnen zu kauen. Der Hundehalter ist dann gut bedient, wertvolle Sachen wie Teppiche, Schuhe oder teilweise auch Möbel so zu platzieren, dass der Welpe gar nicht erst in den entsprechenden Raum oder zumindest nicht zu diesen Gegenständen kommt. Er soll ihm vielmehr zahlreiche alternative Kaumöglichkeiten anbieten. Dies in Form von einem Paar alten Schuhen zu tun, welche der Welpe zerkauen darf, ist aus meiner Sicht jedoch eine «gefährliche » Lösung. Das Konfliktpotenzial – diesen Schuh darf er, diesen nicht – ist viel zu gross. Zudem hat man mit diesem Vorgehen das System «vom Vermeiden » noch nicht ganz verstanden.

Wie bereits erwähnt, hat der Welpe ein grosses Bedürfnis, sich mit Kauen zu beschäftigen. Er soll dies artgerecht ausleben dürfen. Ich denke mir, die Möglichkeiten sind hier fast unendlich und den Ideen kaum Grenzen gesetzt. So dürfen spezielle Kauspielzeuge, Stoffrollen, bis hin zum natürlichen Knochen, Tierhaut, Ziemer etc. eingesetzt und in nicht knausriger Vielfalt und Menge verabreicht werden. Selbstverständlich sollen dies nicht Gegenstände sein, welche später in der Ausbildung in irgendeiner Art vorkommen, wie z. B. Apportiergegenstände oder sogar totes Wild.

Beispiel 2: Stubenreinheit

Bezüglich Stubenreinheit hat es derjenige Welpenbesitzer am einfachsten, bei welchem sich der Züchter schon richtig verhalten hat. Denn ab ungefähr der dritten Woche säubert die Mutterhündin die Welpen nicht mehr so regelmässig und/oder diese beginnen selber ihr «Nötchen» zu verspüren. Sie haben plötzlich das Verlangen, sich ein bisschen vom Nest abzusondern und sich zu versäubern, ohne das Nest zu beschmutzen. Am Anfang sind dies nur ein paar Zentimeter und mit der Zeit wird es immer mehr. Übrigens, die Hündin sammelt, sofern man ihr die Gelegenheit dazu lässt, den abgesetzten Welpenkot noch ziemlich lange ein.

Es ist also überaus wichtig, dass die Welpen schon beim Züchter eine Wurfkiste und später einen Raum wie beispielsweise das Wurfzimmer haben, wo sie stets die Möglichkeit haben, sich für ihr «Geschäftchen » von der «Sauberhaltezone» wegzubegeben, z. B. nach draussen ins Gras oder auf einen Sand bzw. Sägemehlhaufen. Hat der Welpe diese Möglichkeiten nicht, muss er sich wohl oder übel zum «Nestbeschmutzer » entscheiden. Dies hat in den schlimmsten Fällen zur Folge, dass der neue Besitzer mit dem Welpen «Gassi» geht und dieser dann, beim Eintreffen zu Hause, als erstes in die Wohnung macht.

Am Anfang muss der neue Besitzer mit dem Welpen übertrieben oft nach draussen gehen, auf jeden Fall nach dem Fressen, Schlafen, Spielen und Arbeiten. Der Hund muss aber auch zwischendurch immer im Auge behalten werden, denn er verrät sich meistens, wenn er, nach der für ihn richtigen Stelle suchend, sein «Geschäft» erledigen will. Dann ist das Beste, wenn man ihn umgehend rausträgt, sonst passiert sicher unterwegs das «Unglück».

Sehr praktisch und angenehm ist es, wenn sich der Versäuberungsplatz nahe der Wohnung, z. B. in einer Ecke des Rasens befindet und dieser schnell erreichbar ist. Dem Welpen fällt es viel leichter, sich zu lösen, wenn dies, vor allem in der ersten Zeit, immer am selben Ort geschehen kann. Es entsteht plötzlich eine Art Ritual. Der Hund bemerkt, dass es dort ums Versäubern geht, tut dies dann auch und wenn der Hundehalter ihm gleichzeitig noch ein nett gesprochenes Kommando fürs Versäubern mit anschliessendem Lob ausspricht, begreift der junge Hund schnell, worum es geht. Die Wartezeiten draussen im Freien, zu allen Tages- und Nachtzeiten, verkürzen sich dadurch drastisch. Sollte trotzdem einmal im Haus drin ein «Unglück» passieren, bringen strenge Worte, Schweigen und ein Raustragen zur Versäuberungsstelle nur etwas, wenn das Missgeschick unmittelbar passiert ist. Ist es länger als ein paar Sekunden her, kann sich der Hund nicht mehr daran erinnern. Alle Korrekturen wären somit für etwas anderes, z. B. fürs freudige Herkommen zum Führer, und somit nichts anderes als ein Vertrauensbruch, welcher der Welpe nicht verstehen kann.

Beispiel 3: vorgeschriebene Orte

Dem Welpen wird im neuen Zuhause ein Platz hergerichtet, wo er liegen, schlafen und sich ruhig verhalten soll. Wird von ihm per Befehl verlangt, dass er dort liegenbleiben soll, und der Hundeführer sich dann in einem anderen Raum zum Schlafen legt und den Welpen alleine lässt, so ist dies vermutlich die heikelste Vertrauens- probe, welche mit einem Welpen gemacht werden kann.

Mit dem kleinen «Kindergartenschüler» wird gleich eine erschwerte Gebrauchsprüfungsdisziplin durchgespielt. Das Verlangte ist dermassen schwierig, dass der junge Hund scheitern muss. Kehrt der Führer dem Welpen den Rücken zu oder verlässt er den Raum, will ihm der Hund so schnell wie möglich folgen, damit er nicht alleine bleibt. Aus Elend scharrt und heult er vor der verschlossenen Türe. Stellt dies der Hundeführer fest (weil er einmal gelernt hat, konsequent zu sein), braust er zur Türe rein und zeigt dem Welpen mit Nachdruck wo denn sein Platz sei. Der Welpe ist aber vor allem froh, nicht mehr alleine zu sein, kann jedoch das Verhalten seines neuen Rudelführers überhaupt nicht verstehen. Auch der erneut angeordnete Befehl, liegen zu bleiben, kann vom Welpen nur sehr schwierig eingeordnet werden. Ist der Führer wieder weg, gilt der Befehl nicht mehr. Denn die Einflussnahme kommt viel zu spät und gilt dadurch für etwas anderes, als das was wir wollen.

Oft bleibt bei solchen Vertrauens- brüchen etwas Negatives hängen und es schleicht sich gerne die eine oder andere Macke ein. So zum Beispiel bei schneller Annäherung an den Welpen, sodass sich dieser auf den Rücken legt oder/und dazu noch uriniert. Es sollen also immer nur Arbeiten gemacht werden, welche dem Alter des Welpen entsprechend auch erfolgreich ausgeführt werden können.

Ein guter Schlafplatz, die Hundebox

Meiner Meinung nach ist es viel besser, den Welpen während seiner Ruhezeiten in einer Hundebox (z. B. Vari Kennel) zu halten. Diese ist ebenso geeignet als Transportbox im Auto wie neben dem Bett während des Schlafens. Die Hundebox hat nur Vorteile. Sie ist absolut raumunabhängig (der Hund wird in keiner Art und Weise auf einen Raum wie z. B. das Schlafzimmer geprägt), man hat den Hund sehr nahe bei sich, dies beruhigt ihn ungemein und der Hundehalter kann, selbst vom ersten Tag an nach dem Welpenkauf, im weichen Bett schlafen. Der Hund kann dem «Herrchen» anzeigen, wann er sich versäubern muss. Der Welpe macht sehr ungern in die Box und ist deshalb über Nacht schneller stubenrein. Die Hundebox darf den Hundeführer aber auf gar keinen Fall dazu verführen, den Welpen bloss aus Bequemlichkeit bei jeder Gelegenheit in dieser zu versorgen.

Ruhezeiten, Pausen und Warten sind das Allerwichtigste, was Welpen bzw. Hunde lernen und können müssen. Denn obwohl man sich viel mit dem Welpen beschäftigt, sind die Stunden, an welchen man konkret mit dem Hund arbeitet, an welchen man an ersten Fährten und Schleppen arbeitet, auf Erkundungs- und Erlebnistouren geht, Wild- und Wildwitterungsberührungen hat, kleine Gehorsamsübungen macht und an Welpenspielstunden teilnimmt, also den Hund positiv prägt, sozialisiert und ausbildet, sehr viel kleiner, als die Ruhephasen. Nur schon die Anfahrtswege, Vorbereitungen, Planungen, Besprechungen und manchmal der anschliessende Restaurantbesuch sind ungleich länger, als die Zeit, während welcher der Hund tatsächlich arbeitet.

Text: Ueli Bärtschi; Fotos: Markus P. Stähli

Discussion1 Comment

  1. Ruth Bernhart sagt:

    Sehr gut beschrieben, weg von den alten Klischees das war auch meine Verhaltensweise meinem Welpen gegenüber und man hat einen wunderbaren Hund der gar nicht gross erzogen werden muss, vor allem nicht zu viele Worte verwenden die schauen ihrem Rudelführer zu und lernen auch aus dessen Verhalten. Danke diesen Beitrag sollten alle lesen Aufschlussreich

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