Weidwerk im Wertewandel

· Juli 26, 2012

Der allgemeine und immer schneller werdende Wertewandel hat alle Bereiche der Gesellschaft erfasst und durchdrungen. Er macht auch vor der Jagd nicht Halt. Aus dieser Erkenntnis heraus widmete die 50. Internationale Jagdkonferenz dem Thema «Weidwerk im Wertewandel» ihre diesjährige Tagung, die vom 21. bis 23. Juni 2012 auf Einladung des Südtiroler Jagdverbandes in Reinswald im Sarntal stattfand.

Wildökologe Hubert Schatz setzte sich für mehr Ruhe und Raum unserer Wildtiere ein.Die Veranstaltung war wie seit Jahren üblich von interessanten und anregenden Fachreferaten geprägt. Wildökologe Hubert Schatz stellte fest, dass der Umgang mit der Natur zunehmend hinterfragt werde und einige früher gängige Verhaltensweisen der Jäger heutzutage kaum mehr tragbar seien. Es gelte, mit der Zeit zu gehen, dem Wild mehr Raum und Ruhe einzuräumen und bei den Jägern Bildung, Naturkompetenz, aber auch Ehrfurcht vor dem Sein als neue Werte zu fördern.

Dr. Paolo Molinari, Wildbiologe, hinterfragte kritisch die Mängel der heutigen Jagd: «Jagd hat viele dunkle Seiten, die bewältigt werden müssen. Aber auch genauso viel Positives; darauf müssen wir aufbauen. Wir haben die Chance – sofern wir die Sache ernst nehmen – die Jagd auch in den nächsten Jahrhunderten ausüben zu können».Molinari erinnerte daran, dass die Jagd heute vielfach als Störenfried in einer urbanen Wertehaltung empfunden werde. Er plädierte für eine Erweiterung der Ausbildung von Jägerinnen und Jägern in Kultur, Jagdgeschichte und Ethik: «Die Jagd muss die Evolution mitmachen, sonst stirbt sie aus».

Dr. Alexander Schwab, Buchautor, forderte von den Jägern Kommunikationskompetenz.Der Schweizer Buchautor Dr. Alexander Schwab analysierte die am Werk befindlichen Wandlungskräfte im technologischen und ideologischen Bereich. Er stellte fest, dass sich ein urbaner Gestaltungswille im Bereich Natur und Wildtier mehr und mehr durchsetzt. Auf eindrückliche Weise zeigte er mit Beispielen auf, dass eine neue Oberflächlichkeit um sich greift. Er vertrat die Ansicht, dass der Jäger der Zukunft noch vermehrt Sensibilität gegenüber anderen Naturnutzern entwickeln muss. Schwab sprach sich dafür aus, dass in der Jägerausbildung auch die Kommunikations- kompetenz vermittelt werden soll.

Die internationalen Referate waren durchwegs kernig, direkt und teilweise in positivem Sinne provokativ. Die Diskussion um die Vorträge gestaltete sich denn auch sehr lebendig. Die Teilnehmer der einzelnen Jagdverbände aus Deutschland, Liechtenstein, Luxemburg, Österreich, der Schweiz und Südtirol kamen zu folgenden Erkenntnissen und Feststellungen:

Zusammen mit anderen Bündnispartnern müssen die Jäger als Sachverständige für Natur und Wild ihren Platz wieder besetzen. Es ist eine vorrangige Aufgabe der Jagdverbände, ihre Mitglieder von der Wichtigkeit dieser Aufgabe zu überzeugen und ihnen die nötigen Werkzeuge dafür in die Hand zu geben. Dazu ist eine Orientierung an wissenschaftlichen Erkenntnissen, an sachlichen Gesichtspunkten und Ehrlichkeit in der Weitergabe nötig. Mit allen anderen, die die Natur nutzen oder denen sie ein Anliegen ist, muss ständig und intensiv der Dialog geführt werden.

Autor: Markus P. Stähli

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