Was ich nicht weiss …

· August 21, 2012

Die Hundehalter im Raum Grenchen sind in heller Aufregung: Ein Irrer legt immer wieder mit Schrauben gespickte Wurststücke aus. Hunde, die diese aufnehmen, erleiden grosse Schmerzen und müssen meist notfallmässig operiert werden.

Fredy KradolferDer Fall bekam in den Medien grosse Aufmerksamkeit. Natürlich – es passierte mitten im «Sommerloch». Zu einer anderen Zeit wäre die Geschichte wohl kaum so gross aufgemacht und x-mal wiedergekäut worden. Aber trotzdem: Die verschreckten Hündeler und ihre Vierbeiner konnten sich im Mitleid der Nation suhlen.

Damit es klar gesagt ist: Was da passiert, ist eine riesige Schweinerei und mit nichts zu entschuldigen. Gut, dass die Polizei offenbar alles unternimmt, um des Missetäters habhaft zu werden.

Einiges an der Geschichte hat mich aber doch, sagen wir mal, «erstaunt». So sollen die Futterköder gemäss Zeitungsberichten zum Teil auch im Wald ausgelegt worden sein. Und eine Hundehalterin, abgebildet mit einem stattlichen Mischling von gut 50 cm Risthöhe, beklagte sich: «Ich traue mich gar nicht mehr, meinen Hund von der Leine zu lassen.»

Wie bitte? Eigentlich gehört doch so ein Hund im Wald immer an die Leine, nicht nur dann, wenn die Gefahr von Giftködern besteht. In der Schweiz werden jedes Jahr an die tausend Rehe von Hunden gerissen – oft ohne dass die Besitzer dies überhaupt merken. Diese traurige Tatsache macht keine Schlagzeilen. Man könnte ja die Hundebesitzerinnen und -besitzer verärgern …

Tierschutz und Tierliebe sind, wie so vieles, selektiv. Herzige Hundeli sind abgöttisch zu lieben und zu verhätscheln. Und die anonymen Rehe, die von diesen zu Tode gehetzt oder gerissen werden (und doch auch «herzig» sind)? Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiss …

Und natürlich: Wehe dem Jäger oder der Jägerin, der oder die es sich erlaubt, einen wildernden Hund – auch wenn dies vollumfänglich im Rahmen des Gesetzes geschieht – abzuschiessen und das Pech hat, dabei «erwischt» zu werden. «Mörder» ist dann noch das harmloseste Schimpfwort.

Manchmal kommt es mir vor, als seien Jäger und Bauern noch die Einzigen, die ein vernünftiges Verhältnis zu Tieren haben. Aber das darf man ja dann auch wieder nicht laut sagen …

Autor: Fredy Kradolfer

Filed under: Jagd & Umwelt

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