Verspielter Wassermarder

· Februar 24, 2013

Ist der Fischotter auf dem Weg zurück in unser Land? Ein mit Schweizer Geldern mitfinanziertes Forschungsprojekt in Österreich und Nachweise im benachbarten Ausland deuten darauf hin, dass dies in absehbarer Zeit der Fall sein könnte.

Verspielter WassermarderFischotter leben in freier Wildbahn heimlich, zurückgezogen und sind nur mit Glück zu beobachten. Wer dem verspielten Wassermarder im Zoo begegnet, glaubt sich im ersten Moment vor einem putzigen und geselligen Tierchen. Doch dieser erste Eindruck täuscht. Der Fischotter ist ein ausgezeichnet an seinen Lebensraum angepasstes Raubtier.

Wechselhafte Geschichte

Seit Jahrhunderten haben Fischotter und Mensch eine wechselhafte Beziehung. Bis ins 17. Jahrhundert wurden zahme Fischotter gehalten, um Fische in die ausgelegten Netze der Menschen zu treiben. Später wurde der «Fischräuber», seines Fells und seines Appetits wegen, verfolgt.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzten in der Schweiz Bestrebungen ein, aus volkswirtschaftlichen Gründen die der Fischerei schädlichen Tiere zu dezimieren und so die Fischereierträge zu heben. Der Staat unterstützte diese Nachstellungen mit den erforderlichen gesetzlichen Grundlagen, mit auf Kosten des Steuerzahlers angeschafften Fangeisen und eigens ausgesetzten Jagd- und Fangprämien. All diese Massnahmen führten letztlich zu einer drastischen Zunahme der Fischotter-Erlegungen. Eine Umfrage in der gesamten Schweiz zeigte bereits 1917, dass der Fischotter fast überall sehr selten geworden war. Spät, zu spät wie es scheint, wurde der Fischotter dann im Jahre 1952 unter Schutz gestellt. Trotz des gesetzlichen Schutzes haben die Fischotterbestände weiter abgenommen. Tiefgreifende Veränderungen im Lebensraum und Umweltgifte haben den Bestand der Fischotter schlussendlich zum Erlöschen gebracht. Der letzte wild lebende Otter in der Schweiz konnte 1989 am Neuenburgersee nachgewiesen werden. Hin und wieder kommt es vor, dass sich Fischotter kurzfristig in der Schweiz zeigen wie 2010 im Rhein bei Reichenau GR oder 2011 im Wallis.

Pro Lutra forscht und klärt auf

«Es ist wichtig, dass der einst heimische Wassermarder im Bewusstsein der Bevölkerung und der Behörden weiterlebt und dass nichts unversucht gelassen wird, ihm ein neues Leben in der Schweiz zu ermöglichen. » Diesem Grundsatz fühlt sich die gemeinnützige, 1997 gegründete Stiftung Pro Lutra verpflichtet. Pro Lutra informiert die Öffentlichkeit regelmässig über die Situation des Fischotters in der Schweiz. Dies geschieht unter anderem im Zoo Zürich.

WassermarderZur Überraschung der Fachwelt breiten sich die Fischotterpopulationen in Ost- und Westeuropa seit einiger Zeit wieder aus. Um den Gründen für diese Ausbreitung nachzugehen, um zu wissen, wie Otter in den Alpen überleben und um zu erfahren, was sie dazu brauchen, lancierte die Stiftung Pro Lutra zusammen mit dem Zürcher Tierschutz das Projekt «Lutra alpina».

Die Untersuchungen finden in der Steiermark, in den nördlichen Kalkalpen, statt. Dort leben heute wieder Fischotter in einer Reihe von Flüssen, obwohl diese Gewässerlebensräume von den Menschen keinesfalls unberührt sind. Die Täler gelten als typische Beispiele intensiver Kulturlandschaft mit Mehrfachnutzung. Die Palette reicht von Industrie, über alle Formen der Wassernutzung, bis hin zu den Wasserkraftwerken.

Die Forschungsergebnisse und Beobachtungen aus Österreich sind für die Schweiz besonders wichtig, da die natürliche Wiederbesiedlung dieser Gebiete in den vergangenen zehn Jahren darauf hindeutet, dass Fischotter durchaus in derart intensiv genutzten subalpinen und alpinen Tälern leben können. Das Projekt «Lutra alpina» soll Aufschluss darüber geben, wie die Wassermarder in solchen Lebensräumen zurechtkommen und welche Ansprüche sie an ihren Lebensraum haben. Das Verhalten der einzelnen Fischotter wird mittels Telemetrie- und Feldaufnahmen (Losung, Fährten, etc.) aufgezeichnet und anschliessend ausgewertet.

Die Resultate der vierjährigen Studie können schliesslich konkret für die Beurteilung vergleichbarer Lebensräume in der Schweiz eingesetzt werden. Pro Lutra plant keine Aussetzungen in der Schweiz. Aufgrund der aktuellen Entwicklung im benachbarten Ausland (Savoyen F und Tirol A) besteht jedoch die begründete Hoffnung, dass der Fischotter früher oder später wieder von selbst in der Schweiz Fuss fasst.

Weitere Infos unter: www.prolutra.ch

Text: Markus P. Stähli; Foto: Irene Weinberger,

Filed under: Biologie & Jagdtechnik

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