Tatort Sevelen SG: Wilderer überführt

· Juli 9, 2013

Ein Einheimischer hat in der Nacht des letzten Februartages, am Fusse des Sevelerbergs, zwei Hirschstiere erlegt. Zur Wildbergung rief er zwei Komplizen zur Hilfe. Täter und Gehilfen konnten nun, dank Hinweisen aus der Bevölkerung, überführt werden.

Tatort Sevelen SG: Wilderer überführt

Am 28. Februar, Stunden nach Sonnenuntergang, fielen im Gebiet Valschnära in der st.-gallischen Gemeinde Sevelen Schüsse. Sie verhallten ungehört!? Ein Wilderer hatte zwei Hirsche (je einen Hirschstier à 100 kg bzw. 80 kg Nettogewicht) erlegt. Er brach das erlegte Wild auf und barg es anschliessend mit Hilfe zweier herbeigerufener Komplizen. Einer der Beteiligten führte die gefrevelten Tiere schliesslich einer zirka 25 Kilometer entfernten Metzgerei zur Verwertung zu. Bei der Fleischdeklaration wurde geschummelt, als Herkunftsort des Wildbrets wurde das Grosse Walsertal im benachbarten Österreich angegeben.

Der Obmann des Reviers Sevelen-Wald erhielt am Freitagabend, 1. März 2013, einen Anruf eines entrüsteten Bauern. Dieser beschwerte sich über einen mitten auf seiner Weide liegengelassenen Aufbruch. Beim Obmann klingelten die Alarmglocken! Einen Aufbruch gefunden? Und dies zur Schonzeit? Gemäss den zur Tatzeit gültigen Jagdvorschriften des Kantons St. Gallen war Rotwild vom 15. August bis 31. Dezember jagdbar. Sofort alarmierte er einen Jagdkameraden, welcher dann am Samstagmorgen den Aufbruch entdeckte und umgehend den Kantonalen Wildhüter informierte. Dieser wiederum wandte sich betreffs Mithilfe bei der Spurensicherung an die Kantonspolizei.

Beinahe in flagranti ertappt

Am selben Tag, an welchem die Unter- suchungen aufgenommen wurden, meldete sich ein Jäger bei der Polizei. In der besagten Nacht – es war Mitternacht – hatte er nämlich nach beendeter Fuchsjagd ein Fahrzeug samt Anhänger beobachtet, das auf einem schneebedeckten und mit Fahrverbot belegten Waldweg rasant talwärts fuhr. Der Jäger war sich sicher, das Fahrzeug bzw. den Fahrer erkannt zu haben. Dieser wertvolle Hinweis führte die Untersuchungsbehörden schnell einmal zur Täterschaft.

Wilderei ist kein Kavaliersdelikt

Wer vorsätzlich und ohne Berechtigung Tiere jagdbarer Arten jagt oder tötet, gehört bestraft. Mit Strafbefehl vom 29. Mai 2013 wurden die Fehlbaren vom Untersuchungsamt Uznach entsprechend sanktioniert. Der Haupttäter wurde des Wildfrevels, der Urkundenfälschung (Falschdeklaration Wildbretherkunft) sowie eines Vergehens gegen das kantonale Gewässerschutzgesetz schuldig gesprochen. Bei der Strafuntersuchung gab der Beschuldigte nämlich zu Protokoll, er habe die Häupter der gewilderten Hirsche, einen Rucksack mit dem Aufbruch eines Hirsches sowie die Tatwaffe samt Zielfernrohr im Rhein entsorgt (wer‘s glaubt …).

Der Staatsanwalt hat aufgrund der Tatschwere eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen (Fr. 8400.–), bedingt aufgeschoben auf eine Probezeit von zwei Jahren, sowie eine Busse von 1000 Franken ausgefällt. Die beiden Gehilfen haben sich der Wildhehlerei strafbar gemacht. Ihnen wurde ebenfalls eine bedingte Geldstrafe von 30 bzw. 40 Tagessätzen sowie je eine Busse von 600 Franken auferlegt. Die Fehlbaren wurden zudem verpflichtet, für die Verfahrenskosten (Fr. 3200.–) aufzukommen. Die Jagdberechtigung wurde ihnen für zwei bzw. drei Jahre entzogen. Der Entzug gilt für die ganze Schweiz. Welche Folgen der Schuldspruch für einen der Mittäter in Österreich hat – er wohnt und jagt im benachbarten Vorarlberg – ist nicht bekannt.

Wut und Enttäuschung

Die Wilderer wurden bestraft. Was bleibt, so Revierobmann Seppi Meier, ist Wut und Enttäuschung: «Wir sind zornig und frustriert. Bereits schon seit einigen Jahren hegten wir die Befürchtung, dass in unserem Revier und in den umliegenden gewildert wird. Darum hatten wir auch die Pächter der Nachbarreviere und die Polizei für diese Thematik sensibilisiert. Ein ungutes Gefühl bleibt – wir wissen nicht, ob und wie viele weitere Wildtiere im Jagdrevier Sevelen-Wald in den letzten Jahren illegal erlegt wurden! » Was ebenfalls zu denken geben muss, ist der Umstand, dass es sich bei den Verurteilten um «Inhaber eines Jagdfähigkeitsausweises» handelt. Von echten und ehrlichen Jägern kann nämlich kaum gesprochen werden …

Text: Markus P. Stähli

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