Spätestens dann …

· April 22, 2013

Fredy KradolferIn den Nationalpärken Südafrikas wachsen die Elefantenbestände zu schnell. Die Folge sind verheerende Schäden an der Vegetation. Weil der Abschuss von überzähligen Elefanten unpopulär ist (und notabene auch nicht viel mit Jagd, wie wir sie verstehen, zu tun hätte), suchen die Verantwortlichen nach Alternativen. Eine davon ist, Elefantenkühe aus Helikoptern mit Injektionen zu «beschiessen », welche eine Kuh für ein Jahr lang unfruchtbar machen. Die Methode funktioniert zwar, ist aber sehr aufwändig (sprich teuer) und auch kaum im gewünschten Masse anwendbar. Allein im Krüger-Park, dem grössten Nationalpark im Süden Afrikas, leben etwa 14 000 Elefanten.

Dass die Methode von vielen Natur- und TierschützerInnen trotzdem hoch gelobt wird, ist schon fast selbstverständlich. Als weitere Massnahmen werden künstlich angelegte Wasserstellen trockengelegt. Damit soll erreicht werden, dass die Elefanten nicht standorttreu sondern zu weiten Wanderungen gezwungen werden. Dies hat zur Folge, dass sich einerseits die Verbissschäden weiträumiger verteilen und andererseits eine grössere Zahl der Jungtiere die Strapazen der Wanderung nicht übersteht, sprich «natürlich abgeht ».

Ich masse mir nicht an, das Elefanten- Management der afrikanischen Behörden zu kommentieren oder gar zu kritisieren – dafür verstehe ich von der Materie schlicht zu wenig. Was mich aber umtreibt: Wie lange geht es wohl, bis Forderungen auftauchen, dass die Bestände z. B. von Rot- oder Rehwild bei uns auch auf diese Weise reguliert werden, statt sie durch die Jagd zu bewirtschaften? Was dann? Spätestens dann nämlich ist es zu Ende mit der Geschichte vom Jäger als notwendigem Regulator der Bestände, ohne den die Fauna irreparable Schäden erleiden würde. Spätestens dann müssen wir ehrlich für die Jagd antreten, uns dazu bekennen, dass Jagd nicht nur notwendig ist, sondern als eine der ältesten Kulturtechniken der Menschheit einerseits auch Freude macht und andererseits in der Form von Wildbret auch ein hochwertiges und rein biologisches Nahrungsmittel liefert. Spätestens dann müssen wir aber auch darzulegen im Stande sein, dass wir nicht aus Gründen der «Nahrungskonkurrenz » skeptisch gegenüber Grossraubtieren sind, sondern weil die Lebensraumsituation dafür in unserem Land nur noch in ganz wenigen Gebieten einigermassen gegeben ist – sicher nicht dort, wo die Wildtiere infolge des Tourismus in all seinen Erscheinungsformen auf enge, letzte Rückzugsgebiete zurückgedrängt werden.

Auffällig ist eines: Wenn es Probleme gibt, wird in den meisten Fällen bei den Wildtieren mit Massnahmen angesetzt. Selten beim Lebensraum dieser Tiere und schon gar nicht beim Verhalten des Menschen. Auch für die «Schutz»-Organisationen ist es eben einfacher (und mit Bezug auf Spendengelder einträglicher), Alternativen zur Jagd zu verlangen, statt sich zum Beispiel für drastische Verhaltensänderungen der Menschen einzusetzen. Ungefähr nach dem Motto «Rehe erschiessen ist schlimm und böse, aber eine nächtliche Mountainbike oder Joggingtour im Wald mit Stirnlampe ist ein Bürgerrecht!»

Text: Fredy Kradolfer

Filed under: Biologie & Jagdtechnik

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