Rindertuberkulose im Kanton St.Gallen entdeckt

· September 27, 2013

Im laufenden Jahr wurde die Rindertuberkulose auf verschiedenen Betrieben in den Kantonen Freiburg, St. Gallen, Waadt, Wallis und vor Kurzem im Kanton Appenzell Ausserrhoden festgestellt. Die erkrankten Tiere wurden geschlachtet. Trotzdem – viele Jäger sind aufgrund der Meldungen aus dem Ausland verunsichert und fürchten, dass die Rindertuberkulose auch in schweizerischen Wildtierbeständen auftreten könnte. JAGD&NATUR hat die Rinder-Tb in der September-Ausgabe thematisiert und folglich mit Dr. Marie-Pierre Ryser-Degiorgis, Leiterin der Abteilung für Wildtiere am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin der Universität Bern und Vertretern des BVET, Bern, ein Interview geführt (s. Oktober-Ausgabe von JAGD&NATUR).

Rindertuberkulose im Kanton St.Gallen entdecktAm 11. September 2013 wurde bei der Fleischkontrolle einer geschlachteten vierjährigen Kuh aus einem Ausserrhoder Landwirtschaftsbetrieb Rindertuberkulose diagnostiziert. Der Herkunftsbetrieb der erkrankten Kuh sowie ein Betrieb im Kanton St.Gallen, in dem sich die Kuh von Winter 2010 bis März 2013 aufhielt, wurden sofort gesperrt. Unter- suchungen im St.Galler Betrieb führten zu einer weiteren infizierten Kuh. Weitere Abklärungen sind im Gange und mögliche Kontaktbetriebe werden ausfindig gemacht. Die Laboruntersuchungen ergaben, dass beide Kühe mit dem Erreger Mycobacterium caprae (M. caprae) infiziert waren. Das bedeutet, dass diese beiden Fälle in der Ostschweiz nicht in Verbindung mit dem Ausbruch im Kanton Freiburg gebracht werden können. M. caprae wurde in den letzten Jahren wiederholt im Tirol, Vorarlberg und im Allgäu sowohl in der Wildtierpopulation als auch vereinzelt bei Rinderbeständen nachgewiesen. Aufgrund der Abklärungen und der Informationen der Veterinärbehörden aus Vorarlberg könnte die Ansteckung der Appenzeller Kuh im Rahmen der Sömmerung auf einer Alp im Vorarlberg bereits im Jahre 2011 über das Wild stattgefunden haben. Die systematische Beprobung der übrigen Sömmerungstiere, die 2011 auf der gleichen Alp waren, ist deshalb in verschiedenen Kantonen im Gange. Es handelt sich hierbei um 104 heute noch lebende Tiere verteilt auf 27 Betriebe in fünf Ostschweizer Kantonen und dem Fürstentum Liechtenstein.

Mycobacterium caprae in Österreich

Seit 2010 ist bekannt, dass sich in Österreich beim Rotwild das Mycobacterium caprae ausbreitet. Auch im Montafon, speziell im hinteren Silbertal, kommt die Krankheit vor. Dort wurden letztes Jahr in zwei Betrieben infizierte Rinder gefunden. Im Winter 2010/11 wurden in der Ostschweiz in einer gross angelegten Aktion Rinder, welche den Sommer auf österreichischen Alpen verbracht hatten, auf Tuberkulose untersucht. Gleichzeitig wurden in der Ostschweiz geschossene und gefallene Hirsche untersucht. Damals gab es keine Hinweise auf infizierte Tiere. Aufgrund der Meldungen der Veterinärbehörden aus Vorarlberg untersuchten die Veterinärdienste St.Gallen, Thurgau und Fürstentum Liechtenstein im letzten Jahr alle Rinder, welche 2012 auf Alpen waren, wo auch infizierte Hirsche entdeckt worden sind. Obwohl damals keine positiven Befunde auftraten, wurden die Alpvorschriften für das folgende Jahr verschärft. Tiere, welche 2013 auf die von Vorarlberg aufgrund der Befunde bei Hirschen als kritisch bezeichneten Alpen gebracht worden sind, müssen nach der Rückkehr auf Tuberkulose untersucht werden. Das führte dazu, dass kaum Tiere auf Alpen aufgeführt worden sind, die schon vor einem Jahr als Risikoalp bekannt waren. Es ist wahrscheinlich, dass aufgrund der Hirsch- untersuchungen in diesem Jahr, weitere Alpen dazukommen, von denen die rückkehrenden Tiere untersucht werden müssen.
Das Bundesamt für Veterinärwesen und die Ostschweizer Kantonstierärzte stehen in engem Kontakt mit den Veterinärbehörden des Vorarlbergs. Verschiedene Abklärungen sind im Gange. Zum Beispiel werden die Typen der Erreger der Appenzeller Kuh mit denen aus der Wilduntersuchung in Österreich verglichen, um Gewissheit zu haben, dass die Ansteckung bei der Alpung 2011 stattgefunden hat.

Geringes Ansteckungsrisiko für den Menschen

Der Mensch kann sich durch den Konsum von Rohmilch oder durch den direkten Kontakt mit einem infizierten Tier mit Tuberkulose anstecken. Das Risiko ist aber in beiden Fällen sehr gering. Milchprodukte aus pasteurisierter oder hocherhitzter Milch und Milchprodukte, die einen Reifeprozess durchlaufen, wie z.B. Hart- oder Halbhartkäse, sind für den Verzehr unbedenklich. Bei den beiden betroffenen Ostschweizer Beständen handelt es sich um Mutterkuh- bzw. Kälbermastbetriebe, die keine Milch für den Konsum oder zur Käseproduktion abgeben.

Weitere Informationen zur Rindertuberkulose: www.bvet.admin.ch

Intro: Markus P. Stähli
Quelle: http://www.sg.ch/news/1/2013/09/mit-rindertuberkulose-infizierte-kuh-im-kanton-st-gallen-entdeck.html 

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