Raum für Mensch und Wildtier

· Januar 24, 2013

Liebe Leserin, lieber Leser

Markus P. StaehliViele Jahrhunderttausende lang war die wildbeuterische, aneignende Lebensweise elementare Grundlage aller Menschen. In der Zeit vor 7000 bis 9000 Jahren änderte dies. Europa erlebte eine seiner grundlegendsten kulturellen Umwälzungen. Die Tradition der bisherigen Lebensweise wurde durch eine auf Ackerbau und Viehzucht basierende Kultur ersetzt. Der Mensch fing an, die Landschaft nachhaltig zu verändern. Aus Jägern und Sammlern wurden Hirten und Bauern. Darüber berichtet uns Dr. Thomas Reitmaier, Bündner Kantonsarchäologe, in seinem Beitrag «Auf den Spuren der Steinzeitjäger».

Einen zweiten fundamentalen Wandel erlebte die Menschheit mit dem Beginn des Industriezeitalters im 19. Jahrhundert. Die Geschwindigkeit der Landschaftsveränderungen nahm rasant zu. «In 50 Jahren, der Zeitspanne eines einzigen Menschenlebens, wurde die Erde radikaler verändert als in allen Generationen davor.» Dieses Zitat des französischen Journalisten und Fotografen Yann Arthus-Bertrand löst in uns allen gemischte Gefühle aus. Wir Jäger haben in den vergangenen Jahren diese Veränderungen in der Landschaft und den steigenden Druck auf die Lebensräume, auf unsere Jagdgebiete und -reviere besonders bewusst wahrgenommen. Zugegeben, in der Schweiz gibt es heute so viel Wild wie selten zuvor. Längst ausgerottete (teils umstrittene) Wildtiere haben in unserem Land wieder eine Heimat gefunden. Doch für gewisse Arten bedeutet der ungebremste Landverbrauch und die Isolierung oder gar Zerstörung von Biotopen schlichtweg das Aus. Ueli Strauss- Gallmann, Jäger, Forstingenieur und Kantonsplaner, zeigt in seinem Artikel «Raumplanung und Wildtiere» eindrücklich auf, wie schnell und unumkehrbar diese Entwicklungen vonstattengehen.

In unserer heutigen Kulturlandschaft fühlt sich das Schwarzwild besonders wohl. Dies stellt uns Jägerinnen und Jäger vor grosse Herausforderungen. Ideen und Visionen sind gefragt. Ein spannender Anbauversuch mit weisskörnigem Mais, Jagderfahrungen mit der Saumeute und zwei Leserbriefe zur Thematik Schwarzwild zeigen mögliche Lösungsansätze auf. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre.

Mit Weidmannsheil

Ihr Markus P. Stähli
Chefredaktor

Filed under: Jagd & Umwelt

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