Präsidentenkonferenz – Bericht

· Februar 28, 2013

Die Präsidenten der kantonalen Sektionen und Fachorganisationen von JagdSchweiz trafen sich am 18. Januar 2013 in Bern zur Behandlung jagdpolitischer Fragen in Bund und Kantonen. Weitere Themen waren die Öffentlichkeitsarbeit, der Hegepreis 2013 sowie der Aufbau einer gemeinsamen Adressverwaltung.

Präsident Hanspeter Egli informiert aus erster Hand.

Die Umsetzung der revidierten eidgenössischen Jagdverordnung in den Kantonen ist 2013 ein jagdpolitischer Schwerpunkt. Die Präsidentenkonferenz befürwortet die Einführung des periodischen Treffsicherheitsnachweises. In einer Stellungnahme an die Jagdverwalterkonferenz fordert sie aber, dass von den Kantonen die unterschiedlichen Bedingungen bei der Jagdausübung und der vorhandenen Schiessanlagen berücksichtigt werden. Die Umsetzung soll in enger Zusammenarbeit mit den regionalen Jagdorganisationen erfolgen. Zentrales Anliegen ist dabei die gegenseitige Anerkennung des erfüllten Treffsicherheitsnachweises durch alle Kantone.

Hundeausbildung

Die kantonalen Sektionen wollen sich auch bei der Regelung und der Durchführung der neuen Vorschriften für die Ausbildung und den Einsatz der Jagdhunde engagieren. Die Ausbildung und Prüfung der Schweisshunde für die Nachsuche wurde bereits bisher durch die kantonalen Jagdverbände in Absprache mit den Jagdverwaltungen organisiert. Dies kann auch für die Ausbildung von Hunden für das Vorstehen und Apportieren, die Baujagd und die Jagd auf Wildschweine erfolgen, sofern diese Jagdarten überhaupt ausgeübt werden.

In der Jagdverordnung wurden die Kriterien zur Regulierung der Grossraubtiere erweitert. In den 4G-Gesprächen haben die Schutzorganisationen der Regulierung unter bestimmten Bedingungen zugestimmt. Diese sind aber in den entsprechenden Managementkonzepten noch zu konkretisieren. Beim Wolf harrt die restriktive Regelung in der Berner Konvention noch einer Lösung. Der mit der Motion Fournier angestrebte Vorbehalt wurde abgelehnt, die weiteren Schritte sind noch nicht eingeleitet. Für die Reduktion der in einzelnen Regionen sehr hohen Luchsbestände müssen die Kantone dem BAFU entsprechende Eingriffe beantragen. Die Sektionen in den betroffenen Kantonen wollen die weiteren Schritte gemeinsam absprechen.

Wildtierkorridore und Raumplanung

Die Situation bei den Wildtierkorridoren von überregionaler Bedeutung hat sich in den letzten zehn Jahren tendenziell verschlechtert. In seiner Antwort auf die Interpellationen Flückiger im Nationalrat und Engler im Ständerat hat der Bundesrat festgehalten, dass die Standorte und der Sanierungsbedarf bekannt und die notwendigen Mittel vorhanden sind. Die Verantwortung für die Sanierung liege aber auch bei den Kantonen und Gemeinden. JagdSchweiz wird zusammen mit Pro Natura und den Parlamentariern weitere Schritte unternehmen, um die Wildtierkorridore offen zu halten und die dringend notwendigen Wildtierbrücken zu realisieren.

Durch die in den letzten Jahrzehnten extrem zugenommene Zersiedelung der Schweiz wurden die natürlichen Lebensräume der wildlebenden Tiere enorm eingeschränkt. Die damit verbundene Fragmentierung der offenen Landschaft beeinträchtigt zudem die genetische Vielfalt zahlreicher Tierarten. Die Überbauung der offenen Landschaft ist endlich zu bremsen. Die bestehenden Siedlungsflächen sind konsequenter zu nutzen, um den Bedarf an Bauland zu reduzieren. Die Revision des Raumplanungsgesetzes schliesst wichtige Lücken im geltenden Recht und schafft die notwendigen Voraussetzungen, um diese Ziele zu erreichen. Die kantonalen Richtpläne werden gestärkt, die Konkretisierung der Bestimmungen, Fristen und Sanktionen schafft wichtige Grundlagen zum wirkungsvollen Vollzug des Gesetzes. Aus diesen Gründen beschloss die Präsidentenkonferenz ein JA zum revidierten Raumplanungsgesetz!

Wildschäden / Umfrage

Die Umfrage über die Wildschadenvergütungen in den Kantonen wurde, mit Ausnahme von Basel-Stadt, von allen Jagdverwaltungen beantwortet. Zusätzlich zu den Regelungen in den Jagdgesetzen haben 13 Kantone spezifische Wildschadensverordnungen erlassen. Sechs Kantone verfügen ausserdem über Konzepte, welche den Umgang mit Wildtierpopulationen im Hinblick auf die Verhütung und Vergütung von Wildschäden näher regeln. In neun Kantonen sind in den letzten fünf Jahren Änderungen im Bereich der Wildschadensverhütung und Wildschadenvergütung vorgenommen worden. Hinsichtlich der Bewirtschaftung der Gelder im Zusammenhang mit Wildschäden verfügen 15 Kantone über ein gesondertes Konto auf Stufe Jagdverwaltung und neun Kantone verfügen über einen zweckgebundenen Wildschadensfonds. Der Kanton Genf bezahlt die Wildschäden über ein Konto der übergeordneten Fachstelle. In den Revierkantonen erfolgt die Auszahlung von Wildschäden in vier Kantonen in der Regel direkt über die Revierpächter und in drei Kantonen über die kantonale Jagdverwaltung, im Kanton Thurgau je nach Wildart durch die Pächter oder den Kanton. Die Beteiligung der Jäger an den Kosten ist je nach Kanton unterschiedlich festgelegt. In den Patentkantonen kommt das Geld für die Wildschäden, in acht Kantonen zu einem erheblichen Teil, aus Beiträgen der Jägerschaft, wobei in zwei Kantonen gesonderte Wildschadenszuschläge auf das Jagdpatent erhoben werden. Acht Kantone finanzieren die Aufwendungen allein über die allgemeine Staatskasse. Drei Kantone generieren einen Teil der Einnahmen auch über andere Kanäle, z. B. Erlös aus dem Verkauf von Wildbret. Im Kanton Genf stammen die Gelder ausschliesslich aus Steuereinnahmen.

Für Wildschäden wurden im Mittel der Jahre 2009 bis 2011 in allen Schweizer Kantonen insgesamt rund Fr. 3 785 000.- jährlich ausgegeben. Während sich die Beiträge in zwölf Kantonen in sehr bescheidenem Rahmen halten, werden in zehn Kantonen zwischen Fr. 100 000.- und Fr. 300 000.- und in drei Kantonen Fr. 500 000.- bis Fr. 750 000.- bezahlt. Kantone mit bedeutenden Schwarzwild- und Rotwildvorkommen weisen deutlich höhere Aufwendungen für Wildschäden aus. Die ausbezahlten Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen machten den Grossteil der Beträge aus (91,7%) aus, mit grossem Abstand gefolgt von Schäden an Wald (5,3%) und an landwirtschaftlichen Nutztieren (3%). Schäden an Infrastrukturen machten einen unbedeutenden Teil aus (0,1%). Ausbezahlte Schäden am Wald spielen lediglich bei zwei Kantonen eine besondere Rolle. Werden die durchschnittlichen jährlichen Wildschadenszahlungen in Beziehung zum Durchschnitt der erlegten Paarhufer in derselben Periode gesetzt, so fallen die grossen Unterschiede zwischen den Kantonen auf. In acht Kantonen werden pro erlegtes Wildtier über CHF 100.- an Wildschäden ausbezahlt. Als die am häufigsten schadenstiftenden Tiere, in Abhängigkeit zur Schadensart, werden bei landwirtschaftlichen Kulturen, neben anderen, Wildschwein und Rothirsch und im Wald alle Wildwiederkäuer, mit Ausnahme des Steinbocks, angegeben. Bei den Nutztieren sind es nicht allein die Grossraubtiere, die Schäden stiften.

Letztlich ist festzuhalten, dass die Beteiligung der Jägerinnen und Jäger an den Schäden sehr unterschiedlich geregelt ist. In den Patentkantonen bezahlt der Kanton und generiert die Mittel teilweise direkt oder indirekt über die Patentgebühren und entsprechende Zuschläge. In den Revierkantonen sind die Regelungen abhängig von den jagdbaren Arten. Kantone mit neueren Regelungen wie Aargau und Basel-Landschaft belasten die Jäger bedeutend weniger bzw. begrenzen deren Beteiligung an den Schäden.

Wildkameras

Beim Einsatz von Wildkameras, den sogenannten Fotofallen, sind die Vorschriften des Datenschutzes zu beachten. Grundsätzlich ist jede Jägerin und jeder Jäger selber für das Einhalten des Datenschutzgesetzes verantwortlich. Enthalten die Bilder keine bestimmbaren Personen, gibt es datenschutzrechtlich keine Bedenken.

Hegepreis 2013

JagdSchweiz schreibt den Hegepreis auch in diesem Jahr wieder aus. Die Ausschreibung mit den Anmeldebedingungen und dem Anmeldeformular werden ab Ende Januar unter www.jagd.ch verfügbar sein oder können bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Die im vergangenen Jahr intensivierte Öffentlichkeitsarbeit wird 2013 weitergeführt. Die an der Fachtagung Kommunikation angeregte Formulie- rung eines Ethik-Kodexes sowie die regelmässige Medienarbeit und Information der Basis sind in Bearbeitung.

Adressdatenbank

Die Präsidentenkonferenz hat in einer grundsätzlichen Stellungnahme der Ausarbeitung eines Grobkonzeptes für eine zentrale Adressverwaltung zuhanden der Delegiertenversammlung zugestimmt. Zielsetzung ist der Aufbau einer nationalen Adressdatenbank der Jägerinnen und Jäger, wobei eine stufengerechte Nutzung durch die Jägervereine und Jagdgesellschaften sowie die Kantonalverbände möglich sein soll. Der Aufbau soll in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern, unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Patent- und Revierkantonen erfolgen. Der stufengerechte Datenschutz soll mit klaren Berechtigungen für Mutationen, Adressansicht und zum Download der Daten sichergestellt werden. Das Grobkonzept soll den Umsetzungsplan und das Finanzierungskonzept enthalten. Genehmigt die Delegiertenversammlung das Grobkonzept, wird in Absprache mit den zukünftigen Nutzern ein Pflichtenheft mit Realisierungsplan, Kosten und Finanzierung ausgearbeitet.

Die Umsetzung würde nach diesem genehmigten Pflichtenheft voraussichtlich ab Sommer 2014 erfolgen.

Die Delegiertenversammlung von JagdSchweiz findet am 8. Juni 2013 in Sierre, Wallis, statt und beginnt um 10.00 Uhr.

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