Perfekt im Anschlag

· Juli 26, 2013

Mit der R8 Professional Success setzt Blaser konsequent auf Ergonomie. Obwohl eine klassische Jagdbüchse anders aussieht: Der Erfolg gibt den Isnyern recht, das Gewehr verkauft sich wie «warme Weggli».

 jagdschiessen_4 Der Lauf schiesst, der Schaft trifft», lautet eine alte Schützenweisheit. An dieser besteht kein Zweifel – wobei auch weitere Faktoren die Präzision einer Jagdwaffe beeinflussen. Darunter fallen unter anderem ein trocken stehender Abzug und hohe Fertigungsqualität. Wie sehr aber ein passender Schaft überzeugen kann, zeigt die Erfolgsgeschichte des Lochschaftes. Zwar ist dieser Schafttyp schon seit Längerem bekannt (siehe Kasten), an Jagdwaffen hat er sich jedoch – zumindest in Europa – anfänglich kaum durchgesetzt.

Der Schwyzer Büchsenmacher Markus Ulrich änderte das, als er vor einigen Jahren begann, aus Holz Lochschäfte für Blaser-R93-Büchsen zu fertigen. Blaser zeigte sich dieser Entwicklung gegenüber offen und Ulrich wurde zum offiziellen Lieferanten von Blaser.

Skepsis weicht 
Die ersten Jägerinnen und Jäger mit Lochschaft- Waffen brauchten ein dickes Fell: Spöttische Kommentare, insbesondere auf Gemeinschaftsjagden, blieben nicht aus. Doch die Schäfte setzten sich durch. Wer einmal mit einem Lochschaft geschossen hatte, konnte danach zwar immer noch trefflich über Geschmack streiten – eines mussten aber auch die konservativsten Liebhaber edelster Jagdwaffen eingestehen: Die Schäfte lagen wie angegossen.

Blaser entwickelte darauf einen Synthetik-Lochschaft für die R93-Repetierbüchse, er wurde zum Verkaufsschlager. Kein Wunder fragten viele Jägerinnen und Jäger bei der Einführung der R8-Büchse nach einem ebensolchen Synthetik-Lochschaft. Sie mussten sich gedulden, denn der R8-Professional-Success-Schaft sollte eine kompromisslose Weiterentwicklung werden (vgl. Interview).

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Abzug für Wettkampfsport 
Die JAGD&NATUR-Testwaffe kam als R8 Professional Success im Kaliber .30-06 Spr. mit Standardlauf. Bei der Schaftausführung fiel die Wahl auf schwarzbraunen Kunststoff mit schwarzen Elastomer-Einlagen. Im Gegensatz zur R93-Büchse verfügt die R8 über ein Magazin, welches mit der Abzugseinheit verbunden ist. Wem das nicht zusagt, kann die Variante ohne Magazin wählen, die sich wie die R93 nur von oben laden lässt.

Die Handhabung erfolgt wie bei allen – bereits umfassend getesteten – R8-Büchsen. Dank Handspannung ist hohe Sicherheit gewährleistet – das leise Entspannen erfordert allerdings etwas Übung. Der Abzug bricht wie Glas bei etwa 750 Gramm. Mit dem R8-Direktabzug setzt Blaser die Messlatte für einen Abzug an einer Jagdwaffe sehr hoch an. Dieser Abzug ermöglicht präzises und vor allem kontrolliertes Schiessen ab Werk. Wem das nicht genügt, der lässt sich bei Blaser einen Atzl-Match-Jagd-Abzug einbauen. Bei diesem können Jägerinnen und Jäger zwischen einem Match-Abzugsgewicht von 250 Gramm und dem jagdlich passenden Abzugsgewicht von 650 Gramm wählen – ohne dabei einstechen und allenfalls entstechen zu müssen. Mehr Gewicht Wie bewährte sich die Büchse in der Praxis? Beim Anschlagen der Büchse zeigte sich sofort: Die propagierte Ergonomie ist nicht bloss Marketing. Die Abzugshand bleibt unverkrampft, auch wenn man lange im Anschlag bleibt. Der gerade Schaftrücken ermöglicht einen entspannten Blick durchs Zielfernrohr, was bei klassischen Schäften oft nicht gegeben ist. Und vor allem: Der Success-Schaft leitet den Rückstoss geradlinig auf die Schulter und wird so als weniger stark empfunden.

Was aber auch auffällt, ist das Gewicht der Waffe. Während der Evolution von der R93 zur R8 Professional Success haben die Waffen deutlich an Masse zugelegt – von einst 3,1 Kilogramm auf etwa 3,5 Kilogramm für Standardausführungen (ohne Montage und Zielfernrohr). Das Mehrgewicht wird zwar nicht jeden Gebirgsjäger freuen, an und für sich schiessen sich schwere Büchsen allerdings einfacher, da sie sich beim Zielen und im Schuss ruhiger bzw. träger verhalten.

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Auch drückjagdtauglich
Streukreise von unter 2,5 Zentimeter bei fünf Schuss ab Benchrest-Auflage waren auch bei dieser Blaser- Testwaffe die Regel. Ausgewählte Fabrikmunition erbrachte sogar etwa 1,5-Zentimeter-Streukreise. Die Waffe erwies sich als Allrounder und bewährte sich auf der Pirsch sowie auf dem Ansitz in der engen Kanzel gleichermassen. Entladen lässt sich die Waffe entweder durch Herausnehmen des Magazins oder durch Herausrepetieren der Patronen. Letzteres wird notwendig, wenn das Magazin mittels Sperrknopf vor dem Herausfallen gesichert wird. Das empfiehlt sich insbesondere für die Nachsuche und die Pirsch.

Oft wird an Lochschäften bemängelt, dass sie das Nachrepetieren verlangsamen, weil der Daumen immer wieder ins Loch eingefädelt werden muss. Dieses Argument stimmt an sich. Nur ist das Daumenloch der R8 Professional Success eher ein «Fenster» und so lässt sich der Pistolengriff immer wieder blitzschnell fassen. Zudem kann man dank Geradezug-System auch ohne «Ausfädeln» aus dem Daumenloch repetieren. Etwas Übung ist dazu allerdings erforderlich.

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Verschiedene Versionen erhältlich
Die R8 Professional Success ist mittlerweile in den unterschiedlichsten Varianten erhältlich. Der Kunststoff kann grün oder schwarzbraun gefärbt sein. Als Einlagen kommen Elastomer (Gummi) oder edles Leder in Frage. Die Ledereinlagen sind speziell imprägniert und trotzen auch widrigen Wetterverhältnissen. Und eine Stutzenversion ist ebenfalls erhältlich. Sie lässt sich mit wenigen Handgriffen in die normale Version umbauen.

Blaser produziert zudem Luxus-Ausführungen: Die Monza fällt durch mit rotem Garn abgesteppten Echtleder-Einlagen sowie Lederschaftkappe und schwarz-rot veredelter Spange auf der Schaftbacke auf. Und beim Top-Modell «Ruthenium» sind Systemkasten, Verschlussführung, Abzugsbügel und Kugel mit dem Platinmetall Ruthenium beschichtet. Welche Ausführung Kundinnen und Kunden auch wählen, sie können beim Zubehör und bei den Wechselläufen dank Modularität auf das umfangreiche R8-Sortiment zurückgreifen.

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