Patentler treffen besser (?).

· August 25, 2012

Martin EbnerJetzt ist offiziell, was Insider der jagdlichen Szene schon seit längerem ahnten: Patentjäger sind erfolgreicher als Revierjäger. Genauer: Die Patentjäger der Westschweiz haben die Wildsauen relativ gut im Griff, im Gegensatz zu ihren Revierjagd- kollegen nördlich der A1. Diese klare Aussage stammt nicht etwa von einem jagdlich hochmotivierten Oberländer- patentler, dessen Meinung über die schlappen Unterländer in Granit gemeisselt ist. Nein, unser oberster Chef Reinhard Schnidrig, Herr über Patent- und Revierjäger, hat dies Ende Januar in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen im Zusammenhangmit einem Film über Berliner Wildschweine von sich gegeben. Und er hat recht. Basta. Da hilft kein Grunzen und Klagen, umso mehr, als Schnidrigs Aussage mit schussfesten Statistiken untermauert werden kann. So betrug der durch Schwarzwild angerichtete Schaden in den Revierkantonen im Jahr 2008, dem Jahr der absoluten Wildschweinschwemme, 359 Franken pro erlegte Sau, in den Patentkantonen aber nur 258 Franken.

Jetzt könnten wir Revierjäger uns mit weidwundem Ego schmollend in unsere Reviere zurückziehen, behauptend, die Landwirte in den Patentkantonen seien halt zurückhaltender bei der Geltendmachung von Schäden oder deren Wiesen und Äcker für die Sauen weniger voll fett als die unsrigen. Oder wieder einmal Winston Churchill zitieren, der gesagt haben soll, man solle nur jenen Statistiken trauen, die man selbst gefälscht habe. Damit würden wir aber die falsche Fährte aufnehmen. Gehen wir in die Offensive und zeigen den Patentlern, wo die grössten Strecken gelegt, die wägsten Weidmänner und -frauen pirschen und Diana mit besonderer Hingabe ihr Weidmannsheil verteilt. Dabei ist ein subtiles Vorgehen angezeigt, das heisst, wir müssen von den Patentjägern deren offensichtlich angewölften und jagdlich erfolgreich machenden Vorzüge übernehmen, ohne aber unser Jagdsystem in irgendeiner Form in Frage zu stellen. Dazu ein paar Thesen und Empfehlungen, nicht vollständig und auch noch nicht durch Gen-Analysen abgesichert.

These 1:Auch ein kalter Arsch ist immer noch eine Sitzgelegenheit.
Wenn einem bei -15 Grad die Bise den Atem im Barte gefrieren lässt, dann ist dem Patentjäger sein mit Munggenfett eingeriebener Hintern immer noch wohlig warm, währenddem der unsrige bereits die ersten Frostbeulen zeigt und wir subito die warme Stube aufsuchen müssen. Das zeugt natürlich nicht von natürlicher Härte. Hier hilft nur ein mehrwöchiges Training mit Eisbeuteln auf dem Bürostuhl.

These 2:Was du heute nicht schiesst, frisst morgen der Wolf.
Oder ein anderer Jäger. Wenn die Jagd aufgeht, dann ist der Patentjäger voll im Saft und der Puls auf 150.Was gesetzlich erlaubt ist, wird erlegt. Wir Revierjäger aber hören vor dem ersten Jagdtag zuerst einmal den Wetterbericht. Ist Regen angesagt, ziehen wir das warme Bett dem nassen Pirschgang vor. Denn morgen und übermorgen ist auch noch ein Jagdtag. Und Konkurrenz haben wir keine. Also, Wölfe im Mittelland aussetzen oder Patentjäger auswildern.

These 3: Lieber den Spatz in der Tiefkühltruhe, als die Taube an der Trophäenwand.
Taucht vor einem Patentjäger eine Rotte Sauen auf, dann legt er den ersten Frischling auf die Schwarte. Und wenns reicht auch noch einen zweiten und dritten. Denn das ist alles bestes Wildfleisch, das die leere Tiefkühltruhe füllt und damit die nächste Notzeit überstehen hilft. Wir aber denken in Trophäen: Jetzt ist doch gerade Rauschzeit und dreissig Meter hinter der Rotte kommt bestimmt der Urian. Der kommt aber nicht. Deshalb bleiben die Wildschäden hoch und die Gefriertruhe leer. Also, das nächste Mal auf die Frischlinge halten und das kapitale Gewaff aus einem Nachlassinserat in JAGD&NATUR kaufen.

Folgen Sie meinen Empfehlungen und Sie werden sehen: In wenigen Jahren wird Reinhard Schnidrig einen 180-Grad-Salto drehen und uns Revierjäger als wildschadenminimierende Vorbilder loben. Und unsere Patentjägerfreunde werden sich fragen, weshalb denn die verstädterten Revierler so plötzlich jagdliche Urinstinkte freimachen konnten.

Autor: Martin Ebner

Filed under: Jagd & Umwelt

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