«Öppis mache!»

· Januar 24, 2013

Fredy KradolferEs waren wirklich dramatische, bedauernswerte Vorfälle, die dazu geführt haben, dass das Waffenrecht einmal mehr ins Zentrum des Interesses gerückt ist. Diese Vorfälle und die aufgeflammte Diskussion zeigen beispielhaft, wie die Politik (leider zu) oft funktioniert: Ein dramatisches Ereignis wie der Mehrfachmord in Daillon (VS) schreckt Bevölkerung und PolitikerInnen auf. Einig ist man sich in einem Punkt: Man muss «öppis mache». Und alsbald überschlagen sich die zuständigen Kommissionen und Gremien und einzelne Politakteure in mehr oder weniger sinnvollen Vorschlägen.

Das Vertrackte beim Waffenrecht: Auch das klügste Hirn kommt nicht um die Erkenntnis herum, dass Waffen nur (zugegebenermassen gefährliche) Werkzeuge sind. Die Tötungsabsicht entsteht in einem Menschen, nicht in der Waffe. Und darum sind all die gutgemeinten Massnahmen-Vorschläge letztlich untauglich.

Natürlich halte auch ich dafür, dass der Waffenerwerb bei uns zu Recht strenger geregelt ist als etwa in den USA. Und Theorien, die von «ennet» dem Grossen Teich zu uns herübergeschwappt sind, wonach «nicht weniger, sondern (noch) mehr Menschen Waffen besitzen sollten, damit sich jede(r) gegen allfällige Angriffe verteidigen könne», finde auch ich abstrus bis zynisch. Trotzdem: Den Glauben, dass strengere Waffengesetze in markantem Masse prophylaktisch gegen Gewaltverbrechen zu wirken im Stande wären, teile ich nicht. Dafür die Erfahrung, dass strengere Gesetze nur sehr viel Aufwand oder gar Schikane bedeuten für diejenigen, die sich daran halten. Und die anderen werden auch unter dem schärfsten Gesetz an eine Waffe kommen, wenn sie denn wollen.

Aber eben: Nun muss man «öppis mache» und sinniert über strengere Kontrollen gegenüber denen, die sich eh schon immer ans Gesetz gehalten haben. Besonders wir Jäger werden von neuen Vorschriften betroffen sein, auch wenn wir derzeit in keiner Weise im Fokus der Diskussion stehen. Denn wir sind namentlich bekannt, fein sauber amtlich aufgelistet und damit einfach zu kontrollieren. Und weil wir, um die Jagdberechtigung nicht zu verlieren, uns keine Vergehen erlauben können, kann der Gesetzgeber erst noch davon ausgehen, dass wir uns jeder auch noch so unsinnigen Vorschrift zwar unwillig und knurrend, aber letztlich doch folgsam unterziehen werden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir nun einmal mehr «dran kommen» werden, weil die Politik schliesslich «öppis mache» muss. Um beim nächsten Drama (das ein gütiger Gott verhüten möge) zu erkennen, dass es einmal mehr nichts gebracht hat.

Text: Fredy Kradolfer

Filed under: Kultur & Komfort

Tags:

-->