Naturfreund!

· April 25, 2013

Liebe Leserin, lieber Leser

Markus P. Staehli

Markus P. Staehli

Innerhalb weniger Jahre hat das Naturbild der jungen Generation gravierende Veränderungen erfahren: Für viele geht die Sonne inzwischen im Norden auf, Hühner legen drei Eier am Tag, Kühe haben elf Zitzen, aus dem Hirsch ist ein Reh und aus dem Kitz ein Kid geworden. Dies resultiert aus einer Befragung von 3000 jungen Menschen aus Deutschland im Alter von 11 bis 15 Jahren. Normen wie «keine Pflanzen ausreissen» und «keinen Müll in den Wald werfen» werden von den Jugendlichen als nachhaltig empfunden. Das «Fällen von Bäumen» und das «Jagen von Rehen und Wildschweinen» erachten die Befragten hingegen als schädlich für die Natur. Würde dieselbe Umfrage in unserem Land durchgeführt, ich bin mir sicher, sie käme zu einem ähnlichen Ergebnis .

Vieles erscheint heute widersprüchlich und verwirrend. Kinder und Erwachsene entfremden sich einerseits immer mehr von der Natur und den Wildtieren. Andererseits treibt es sie tagtäglich hinaus in den Wald und in die Berge, wo sie ihren Leidenschaften, Sportarten und anderen Hobbys im 24-Stunden-Betrieb frönen. Die Zeiten, in denen Wälder Ruheinseln waren, sind längst vorbei. Vor allem in der Nacht und in der Dämmerung haben die Freizeitaktivitäten stark zugenommen. Autorin Helene Arnet berichtet in ihrem Beitrag «Der Wald kommt nicht zur Ruhe» eindrücklich über die aktuellen Probleme in der «Grünen Freizeitarena» (S. 12 JAGD & NATUR 05/2013).

Etwa drei Viertel unserer Bevölkerung – so zeigen es repräsentative Umfragen – sind für die Rückkehr von Wolf, Bär und Luchs. Auch über die Ausbreitung des Bibers zeigen sich viele Naturfreunde erfreut. Bloss, den nötigen Lebensraum und die erforderliche Ruhe in diesen Biotopen will den Wildtieren kaum jemand zugestehen. Der Braunbär wird es allein deshalb schwer haben in der Schweiz. Ueli Strauss-Gallmann, Jäger, Forstingenieur und Kantonsplaner, berichtet dazu in seinem Artikel «Hat der Bär Platz in der Schweiz?» (S. 16 JAGD & NATUR 05/2013).

Diese Beispiele spiegeln deutlich die Widersprüchlichkeit des menschlichen Handelns und die Doppelmoral unserer Gesellschaft. Frei nach dem Motto: zurück zur Natur und mit Vollgas rein ins «natürliche» Freizeitvergnügen …

Mit Weidmannsheil

Ihr Markus P. Stähli, Chefredaktor

Filed under: Jagd & Umwelt

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