Menschenfreund und Schmusekatze

· April 24, 2013

Essen Sie Hundefleisch? Nein? Weshalb nicht, soll doch ein Steak vom Hund ausgezeichnet schmecken, sagen jedenfalls die Chinesen. Und halten unseren Menschenfreund in Zuchtfarmen wie wir Schweine. Diese essen wir ja auch und dazu Hühner, Rinder, Pferde und das 100%-Bio Produkt «Wildfleisch». All diese Tiere würden bestimmt lieber einen weiten Bogen um die Bratpfanne machen, als in dieser zu brutzeln. Also weshalb nicht einmal ein Waldischnitzel als Sonntagsschmaus auf dem Tisch? Ganz einfach: Der Hund ist ein Menschenfreund und Freunde isst man nicht. Im Gegenteil, man hegt und pflegt sie bis zum selig Ende.

Ganz anders sieht das aber aus, wenn sich dieser Menschenfreund immer wieder mal jagenderweise an «unserem» Wild vergreift. Zwar wird der auf frischer Tat ertappte Missetäter trotzdem nicht im Kochtopf landen, aber er läuft Gefahr, bleihaltige Luft einatmen zu müssen. Was natürlich ihm und den betroffenen Mitmenschen gar nicht gefällt. Und so wird dann der allgemein anerkannte Menschenfreund zum einen Leid und zum anderen Feind. So geschehen um die Jahreswende im Thurgau. Der «Fall Skippy » wird teuer, titelte das lokale Blatt, denn sowohl der Jäger, der den Bless erlegt hatte, als auch der Hundebesitzer, der mehrmals verwarnt wurde, würden nun angezeigt. Glücklicherweise erhielt der Fall weder lokal noch national besondere Aufmerksamkeit, so dass der Bless und die von ihm gejagten Wildtiere bald wieder ruhigeren Zeiten entgegenblicken konnten. Doch der oberste Tierschützer des Kantons bekam die Plattform, um den Jägern wieder einmal auf den Pelz zu rücken. Was diese mit Murren zur Kenntnis nahmen, denn eigentlich sollte der Schützer sowohl Menschenfreunde als auch Wildtiere genau gleich liebevoll beschützen.

Szenenwechsel. So sicher wie das Amen in der Kirche schwappt jeweils im Frühjahr eine Welle des Protestes über die Vogeljäger Italiens. Millionen von Zugvögeln sollen dort illegal in Netzen, in Schlingen und auf Leimruten ihr Leben lassen. Bilder von frisch gerösteten Rotkelchen machen die Runde und fordern den Zorn von uns Mitteleuropäern heraus. Dabei machen die Italiener ganz einfach das, was bei uns jahrein, jahraus unsere Schmusekatzen auch tun: Ernten, was da so kreucht und fleucht. Sehr erfolgreich, denn gemäss einer kürzlich erschienenen Studie aus den USA sollen dort rund 84 Millionen Hauskatzen jedes Jahr bis zu 3,7 Milliarden Vögel erbeuten. Das sind 44 Vögel pro Mieze. Rechnet man diese Zahlen auf die Schweiz um, lassen hier bei einem Katzenbestand von 1,3 Millionen Tieren rund 57 Mio. Gefiederte und bestimmt auch ein paar Feldhasen ihr Leben im Fang einer Katze. Gibt man unseren Schmusekatzen noch einen 50%-Kitekat-Verwöhn-Bonus, weil sie mit vollem Bauch auf die Pirsch gehen, verbleiben immer noch 30 Millionen Vögel im Jahr. So oder so: Die Biologen, welche die Studie durchgeführt hatten, kamen zum Schluss, dass Katzen eine grössere Gefahr für die Artenvielfalt darstellen als landwirtschaftliche Pestizide oder die Zerstörung der natürlichen Lebensräume durch den Menschen. Oder die italienischen Vogelfänger, könnte man anfügen. Und die Antwort des Schweizerischen Tierschutzes STS auf diese Problematik? Bei seinem Spendenaufruf an «die gesamte tierfreundliche Schweizer Öffentlichkeit » ärgerte er sich in einem offenen Brief an unseren obersten Jagdverwalter Reinhard Schnidrig vom BAFU darüber, dass sich dieser «für das humane Töten von streunenden Katzen ausspreche, weil diese ein Problem für die Biodiversität in unserem Land darstellen würden». Und verweist auf die seit Jahren durch den STS erfolgreich durchgeführten Kastrationsaktionen an herrenlosen Katzen. Wie wenn nur solche Vögel und Reptilien fressen würden und sich nach der Kastration wie die Schmusekatzen nur noch brav von Mäusen ernähren würden.

Und die Moral von der Geschichte: Wie wir Jäger verfolgen auch die Schutzorganisationen ihre ureigensten Interessen. Mit anderen Worten: Wes Brot ich ess, des Lied ich zwitschere. Ist auch richtig so. Allein schon diese Erkenntnis sollte uns aber näherbringen, unabhängig von Menschenfreunden und Schmusekatzen, aber ganz zum Wohle unserer Lebensräume und Wildtiere.

Text: Martin Ebner

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