Mehr Bartgeier in der Zentralschweiz dank Auswilderungen im St. Gallischen Calfeisental

· November 20, 2012

Nicht nur im Wallis und im Engadin darf man auf eine eindrückliche Begegnung mit unserem grössten, fliegenden Alpenbewohner hoffen. Auch in den Zentralschweizer Alpen wie im Muotathal oder am Klausenpass kommt es neuerdings vermehrt zu Beobachtungen von Bartgeiern.

Bartgeier in der ZentralschweizSeit 2010 wildert die Stiftung Pro Bartgeier in den Schweizer Nordalpen Jungtiere dieses Verwerters von verendeten Tieren aus. Diese Aktionen sollen helfen, den im Alpenraum einst ausgestorbenen Bartgeier in die zentralen Schweizer Alpen zurück- zubringen, wo er bis ins 19. Jahrhundert ebenfalls heimisch war. Dies ist auch der Grund, dass vom10.bis 11. November ein internationales Fachsymposium zum Bartgeier in Schwyz abgehalten wurde.

Die Wiederansiedlung der Bartgeier in den Alpen ist auf gutem Weg. Mit viel Ausdauer und Einsatz hat das Projekt, das mit ersten Auswilderungen 1986 in Österreich startete, bereits wichtige Meilensteine erreicht. Im Jahr 1997 brütete erstmals wieder ein Bartgeierpaar im Alpenraum und 2007 sind auch in der Schweiz die ersten wildgeschlüpften Bartgeier ausgeflogen. Doch nach wie vor ist der Bestand klein und empfindlich. Mit weiteren Auswilderungen wird deshalb die genetische Grundlage der Wildpopulation verbessert und die flächige Verbreitung dieser Art gefördert.

Bartgeier in der ZentralschweizIn der Schweiz sind Bartgeier bisher vor allem im Engadin und Wallis anzutreffen. Dazu haben die guten Lebensbedingungen und die lang- jährigen Auswilderungen in diesen Regionen beigetragen. Bis ins Jahr 2007 wurden im Schweizerischen Nationalpark 26 Bartgeier ausgewildert und unweit des Wallis in Hochsavoyen waren dies bis ins Jahr 2004 31 Jungtiere. Historisch ist jedoch belegt, dass auch die zentralen Schweizer Alpen fest zum Verbreitungsgebiet des Bartgeiers gehörten, und die Art auch im19.Jahrhundert regelmässig hier gebrütet hatte.

Aus diesem Grund hat die Stiftung Pro Bartgeier die Auswilderungen 2010 vom Schweizerischen Nationalpark westwärts in das St. Gallische Calfeisental verlagert. Acht Bartgeier wurden hier bisher erfolgreich ausgewildert und sorgen dafür, dass auch zwischen Graubünden und dem Wallis wieder vermehrt Bartgeier gesichtet werden können. Künftig kommen für Auswilderungen auch Talschaften in der Innerschweiz in Betracht, wenn entsprechend geeignete Standorte gefunden werden. Die Hoffnung ist, dass binnen der nächsten Jahre Bartgeier, die erst im Alter von 5 bis 7 Jahren geschlechtsreif werden, sich fest in den Nordalpen ansiedeln, Brutpaare bilden und für den ersten Bartgeiernachwuchs in den zentralen Schweizer Alpen sorgen.

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