Lieber den Sack hauen als den Esel…

· Juli 27, 2012

Fredy Kradolfer«Beschämend: Der Bundesrat beugt sich bei der Revision der Jagdverordnung der Jägerlobby! Der Schutz von Luchs undWolf wird aufgeweicht. Die Begründung ist haarsträubend:Wölfe und Luchse dürfen abgeknalltwerden,wenn sie die Jäger konkurrenzieren.»

Soweit das Zitat aus einemLeserbrief («Der Landbote », 4.7.12). Wenn man weiss, dass die Leserbriefe in den Zeitungen zu den meistbeachteten Texten zählen, dann wird man ihre Wirkung nicht unterschätzen. Und ich gehe davon aus, dass die Revision der Jagdverordnung auch in anderen Zeitungen zu ähnlichen Reaktionen geführt hat.

Natürlich ist Sylvia Laver (so heisst die Frau, von der der Leserbrief stammt, sie vertreibt über das Internet vegetarisches Hunde- und Katzenfutter) nicht eine «Einzeltäterin», wenn sie nur die halbe Wahrheit sagt – das tun beispielsweise Politiker/ -innen auch und nicht einmal so selten sogar Journalisten/- innen. Trotzdem ist es äusserst raffiniert, um nicht zu sagen hinterhältig. Es heisst nämlich in der Verordnung nicht, Grossraubtiere dürften abgeschossenwerden,wenn sie «die Jagd konkurrenzieren» – die Bestimmung greift erst dann, wenn diese Tiere «hohe Einbussen bei der Nutzung von Jagdregalen verursachen».

Der Unterschied ist bemerkenswert: Zum einen natürlich rein quantitativ, zum anderen aber auch psychologisch: Während mit der Formulierung «Konkurrenzierung der Jagd» der Schwarze Peter der Jägerschaft zugeschoben werden kann (Frau Laver spricht denn auch von einem «Kniefall vor der Jägerlobby» und davon, dass es den Jägern trotz gegenteiliger Beteuerungen «doch nur ums Töten gehe»), ist der «Schutz vor hohen Einbussen bei der Nutzung von Jagdregalen» imInteresse des Staates, d.h. der Gemeinschaft aller, also auch von Frau Laver. Im Klartext: Auch der Kanton Genf, wo die freie Jagd bekanntlich verboten ist, «nutzt» sein Jagdregal – einfach durch besoldete Jagdbeamte statt durch Jäger.

Der Passus in der neuen Verordnung ist denn auch ganz klar nicht deshalb in die Verordnung gekommen, weil man den Jägern «mehr Tötungsmöglichkeiten » verschaffenwill, sondernweil sich offenbar in den kantonalen Regierungen mindestens teilweise die Einsicht durchgesetzt hat, dass man in Zeiten, da überall gespart werden muss, sogar bei der Ausbildung der Jugend usw.,mit demGeld auch noch Gescheiteres getan werden kann alsMonotoringprogramme, Herdenschutzmassnahmen und weiss Gott noch was alles zu finanzieren zugunsten von Tierarten, die keineswegs vom Aussterben bedroht sind, sondern dort,wo sie entsprechenden Lebensraum finden (was bei uns leider nur noch äusserst beschränkt der Fall ist) in durchaus nachhaltigen Beständen vorkommen.

Vielleicht haben Menschen wie Frau Laver auch dafür kein Verständnis. Das wäre sogar ihr gutes Recht, denn jeder darf bekanntlich so dumm sein wie erwill. Aber sie sollten dannwenigstens so ehrlich sein, nicht einfach deshalb, weil es dem eigenen Weltbild eher entspricht und «publikumswirksamer » ist, den Sack zu hauen, wenn die «Schuld» beim Esel liegt.

Autor: Fredy Kradolfer

Filed under: Jagd & Umwelt

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