«Lieb oder böse?»

· Februar 28, 2013

Zeitungen haben zunehmend unter Leserschwund zu leiden, der Kampf gegen sinkende Leserzahlen ist vielerorts zum (zu) dominierenden Leitgedanken in den Redaktionen geworden.

Fredy

Von dieser Entwicklung wird auch unser nationales Boulevardblatt, der «Blick», nicht verschont. Und wie alle Boulevard-Titel lebt auch der «Blick» von Emotionen. Nur wenn es ihm gelingt, Emotionen zu wecken und am Kochen zu halten, kann er seine LeserInnen bei der Stange halten. Kein Wunder also, dass der «Blick» auch das sowieso schon emotionsbeladene Thema «Wölfe in der Schweiz» permanent «bewirtschaftet». Dass bei diesem Tun Sachlichkeit eine untergeordnete Rolle spielt, ist offensichtlich. Und wohl auch nicht gewollt. Hier wäre an den legendären Ausspruch des ebenso legendären ehemaligen Blick-Chefredaktors Peter Uebersax zu erinnern: «Der Blick ist keine Zeitung, der Blick ist ein Marketingkonzept! » Es macht denn auch keinen Sinn, sich als JägerIn über den «Blick» zu ärgern: Die «Blick»- JournalistInnen machen ihren Job, sie können gar nicht anders. Ihnen gegenüber mit Argumenten anzutreten, ist ungefähr gleich erfolgsversprechend wie wenn man einen Fuchs bitten würde, aus besserer Einsicht heraus, keine Hühner mehr zu stehlen.

Für den «Blick» ist der Wolf «böse». Es werden Ängste geschürt, dieser könnte eines Tages «Kinder und gebrechliche alte Menschen» gefährden. Böse Wölfe, Kinder, gebrechliche Menschen – alles erstklassige Zutaten für den «Emotionen-Kochtopf »! Aber der «Blick» kann natürlich auch anders: Der Wolf wird augenblicklich «lieb», wenn es einem «bösen » Beamten einfällt, ein Tier dieser Gattung zum Abschuss freizugeben. Dann sieht sich der «arme» Wolf von einem Heer von Feinden umgeben: Bauern, die «zu faul sind, ihre Herden zu schützen», Jäger, «die Angst haben, sie hätten weniger abzuknallen, wenn der Wolf Wild frisst», Tourismusdirektoren, «die befürchten, dass sich die Leute nicht mehr auf Spaziergänge trauen», usw.

Das einzige Rezept gegen diese Stimmungsmache nach allen Seiten ist seriöse Information durch Öffentlichkeitsarbeit. Die Jagdorganisationen haben dies längst erkannt und agieren nicht ungeschickt – könnten allerdings eine etwas markantere finanzielle Unterstützung durch die Basis dringend gebrauchen. Hier wäre an Kari Lüönds berühmten «Halbliter-Vorschlag» zu erinnern: Jede/r JägerIn spendet jährlich den Gegenwert eines Halbliters Roten für Öffentlichkeitsarbeit (der Schreibende ist dieser «Pflicht» übrigens auch dieses Jahr bereits wieder nachgekommen).
Darüber hinaus hat dieser Beitrag den Zweck, Zusammenhänge aufzudecken, die vielleicht ausserhalb des Kreises der Medienschaffenden nicht allgemein bekannt sind. Denn es dürfte unbestritten sein: Wer einen Vorgang versteht, kann ihm besser begegnen und wirksamere Gegenstrategien entwickeln. Gerade jetzt, in der jagdlich ruhigeren Zeit, besteht die Musse dazu.

Text: Fredy Kradolfer

Filed under: Jagd & Umwelt

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