Kompetenz

· November 20, 2012

Fredy KradolferSchon gut 500 Jahre vor Christi Geburt hat es Heraklit von Ephesus festgestellt und für die Nachwelt als Merksatz festgehalten: Nichts ist beständiger als der Wandel. Nun erreicht der Wandel auch diese Zeitschrift, unsere JAGD& NATUR. Kari Lüönd, der die Publikation von der ersten Nummer an geprägt hat, sucht sich einen ruhigeren Einstand und überlässt seine Rolle als «Platzbock» einem Nachfolger, freiwillig nota bene.

Nicht, dass ich jetzt hier auf einen lobenden Abgesang einstimmenmöchte: Kari ist gegenüber derartigen Texten zu skeptisch und auch zu bescheiden, um Lobhudelei in ausgeprägtem Masse geniessen zu können. Einige Feststellungen drängen sich mir aber doch auf, zumal es auch Erkenntnisse gibt, die für die Rolle jedes einzelnen Jägers von Nutzen sind.

Kari Lüönd hat, das darf man ohne Einschränkung sagen, den journalistischen Professionalismus in der Schweizer Jagdpresse etabliert. Er hat sich nie gescheut, mit offenem Visier anzutreten und die Dinge beim Namen zu nennen. Dass er trotzdem nie ernsthaften Anfechtungen ausgesetzt war, ist in einer für Journalisten unabdingbaren (aber weiss Gott leider nicht immer vorhandenen) Eigenschaft begründet: Kompetenz.

Kompetenz heisst nicht, dass man alles selber (und auch noch am besten) wissen muss. Kompetenz bei einem Chefredaktor heisst, ein Gespür für die relevanten Themen zu haben und die in diesen Themen kompetenten Experten zu motivieren und dabei zu unterstützen, ihr Wissen in adäquater Forman die Leserschaft zu übermitteln.

Für jede(n) einzelne(n) Jäger(in), der oder die bei der Ausübung der Jagd bekanntermassen permanent der Beobachtung durch eine kritische (zuweilen auch unfair kritische) Öffentlichkeit ausgesetzt ist, gilt das Gleiche: Wer über unzweifelhafte Kompetenz verfügt, der wird zwar durchaus nicht immer uneingeschränkte Zustimmung finden, aber doch geachtet werden – einmal abgesehen von einer Handvoll Unverbesserlicher, die vernünftigen Argumenten nicht zugänglich sind. Und je mehr man sich der Öffentlichkeit aussetzt und mit ihr in den (im Falle der Jagd unverzichtbaren) Dialog geht, desto wichtiger wird die Kompetenz, nicht nur im fachlichen, sondern auch im menschlichen Bereich.

Für mich hat der Abgang von Kari zwar den schalen Beigeschmack, dass ich nun noch fast das einzige «Fossil» bin, das als regelmässiger Mitarbeiter von der ersten Stunde an übrig bleibt. Aber ich gönne es ihm von Herzen, dass er nun vom monatlichen «Abschlussdruck» entlastet ist und in ein etwas ruhigeres Fahrwasser kommt.

Dir, lieber, Kari, wünsche ich von Herzen weiterhin alles Gute, vor allem gute Gesundheit und Weidmannsheil auf allen Wegen.

Autor: Fredy Kradolfer

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