Jagdsaison – gibt es das eigentlich?

· Oktober 26, 2012

Mit der Verlässlichkeit eines Uhrwerks kommen sie – und zwar immer genau dann, wenn die Bündner Jagd anfängt: die Anrufe der Kollegen aus den Redaktionen, die nun plötzlich bemerkt haben, dass Jagd eigentlich ein Thema sei und dass sie Informationen und Kontakte brauchen. Ich freue mich natürlich über das Interesse und helfe, wo ich kann. Das Spektrum liegt dieses Jahr zwischen «Migros-Magazin» und «Wochen-Zeitung».

Karl LüöndUnd immer wieder stellen sich Erfolgs- erlebnisse ein. Schon mehr als einmal ist es gelungen, einer aufstrebenden Schreibkraft den Unterschied zwischen Schrot- und Kugelschuss zu erklären und damit zu verhindern, dass in der grössten Tageszeitung der Schweiz der kapitale Hirsch «vor die Flinte des Jägers» geriet.

Weniger dankbar sind die telefonischen Auskunftsdienste, wenn Jagdunfälle passieren. Diese haben – im Gegensatz zu vielen anderen jagdlichen Themen – immer Konjunktur und geniessen höchste Beachtung, wahrscheinlich, weil sie so selten sind. Und so sicher wie das Amen in der Kirche folgt dann jeweils im «Blick» die Leserbriefseite mit den unflätigsten Schlötterlingen über Jagd und Jäger. Das tut weit weniger weh als die Erfahrung, dass es unter unseren Jagdkameraden immer wieder welche gibt, deren Kommunikationswege zwischen Auge, Gehirn und Zeigefinger gestört sind.

Was die wenigsten Kollegen bisher bemerkt haben, ist die falsche Saisonalität des Jagdthemas. Aus der Sicht der Revierjäger ist die Zeit im September und Oktober (bis zum Beginn der Gemeinschaftsjagden) nicht besonders attraktiv. Wir Revierjäger haben es aber noch nicht geschafft, der Öffentlichkeit klarzumachen, dass wir eigentlich das ganze Jahr für die Jagd unterwegs sind, wenn auch nicht immer schiessenderweise. Die meisten Laien haben schon ein Aha-Erlebnis, wenn man ihnen von der Sommerbockjagd und den besonderen kulinarischen Spezialitäten erzählt, die aus deren Strecke resultieren. Es gibt ja Meisterköche, die überhaupt nur im Frühsommer Wild anbieten, weil sie die Zartheit des Sommerbocks unübertrefflich finden.

Auch die Saisonalität des Brunftgeschehens zieht sich lange durch die zweite Jahreshälfte – entsprechend der Höhenlage der Szenerie. Jetzt, im Spätherbst, sind wir beim Damhirsch und bei den Gämsen angelangt, wovon die packende Reportage unseres hervorragenden Engadiner Wildbeobachters Dr. Martin Merker zeugt.

Die Dezemberausgabe von JAGD& NATUR wird wegen der Weihnachtstage wie immer früher produziert. Was in der Dezemberausgabe erscheinen soll, muss deshalb spätestens am 1. November bei der alten Redaktion eintreffen. Dann ist für mich «Jagd vorbei», und die weiteren Informationen müssen mit dem nötigen zeitlichen Vorlauf an meinen geschätzten Nachfolger gesandt werden, der sich gegenwärtig einarbeitet. Was für die Januar-Ausgabe 2013 und folgende bestimmt ist, senden Sie also bitte schon ab 1.November 2012 an die folgende neue Redaktionsadresse (und nur an diese; der Verlag sitzt anderswo).

Markus P. Stähli,
Redaktion JAGD&NATUR,
Rehweg 6, 9472 Grabs
(E-Mail jagdnatur@rsnweb.ch; Telefon 081599 30 96)

Mit Weidmannsheil und sehr herzlich

Ihr Karl Lüönd

Filed under: Jagd & Umwelt

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