27.07.10 | «Das Rotwild kennt seine Jäger», sagte Bruno Hespeler, versierter Jagdexperte aus dem österreichischen Bad Bleiberg, vor versammelter Werdenberger Jägervereinigung kürzlich in Buchs. «Das ist eine hochsensible Wildart, die hat ein gutes Gedächtnis.» Also was ist zu tun? Hespeler sagt: «Jäger sind in erster Linier Heger». Aber auch: Jäger wollen einen dauerhaften Bestand.Aber braucht es ein buchhalterisches Gleichgewicht?
Rotwild besser verteilen Hespelers Theorie ist: Die Wilddichte ist relativ, sicher sei nur, dass das Rotwild zunehme. Hespeler weiss, dass steigende Schäden sinkender politischer Rückhalt bedeuten. Das Thema sei seit Jahrzehnten aktuell, die Esche ist stark betroffen, die Weisstanne auch, «aber das Waldbild im Ganzen ist gut», sagt Hespeler.
Er will das Rotwild deshalb besser verteilen, aber er habe kein sicheres Rezept, «denn gerade Rudeltiere lassen sich nicht so einfach umverteilen, aber in einer geschlossenen Waldstruktur leben kleinere Rudel.» Die Jagd schränke das Rotwild ein.
Auch kleine Ruhezonen nützlich Also sind temporäre Ruhezonen eine Lösung? Guido Ackermann, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen, könnte sich dies durchaus vorstellen, «aber wir müssen den Jagddruck in Randgebieten grundsätzlich verringern», und für Hespeler ist eine längere Jagdzeit nur kontraproduktiv.
Jäger sehen da aber ein Problem: Das Werdenberg habe kleine Jagdgebiete, und darin noch Ruhezonen einrichten? Obs denn grad 500 ha sein müssen? Hespeler verneint, es können auch 50 oder 100 sein, vielleicht ja gar über mehrere Jagdgebiete hinweg, «was dann ja auch grössere Ruhezonen geben würde.»
Flankierende Massnahmen erforderlich
In Sachen Fütterung sind sich Hespeler und Ackermann fast einig. Der Jagdexeprte aus Österreich meint, Notfütterung sei wohl richtig, und der Amtsleiter aus der Schweiz möchte sie eigentlich ganz aufheben: «Im Sarganserland ist das so, und wir machen gute Erfahrungen.» Wildlebende Huftiere sollen grundsätzlich nicht gefüttert werden, so Hespeler. Für Ackermann braucht es aber zudem mehr: die Lebensraumaufwertung im Tal, eine Sanierung der Wildtierkorridore und gezielte Aufwertungsmassnahmen in Randgebieten.
Und dass eine gute Fütterung Waldschäden verhindere, «ist Humbug», sagt Hespeler, «höchste Schälschäden hat man in der Umgebung der Futterstellen festgestellt.»
Das Rotwild «täuschen»
Kann die Jägerschaft das Problem lösen, bis es passt, fragt er sich. Es sei schwierig, eine Patentlösung gebe es keine. Aber er fordert von der Jägerschaft, dass sie Traditionen über Bord wirft, Bejagungen verändert, plant, wann wer wo ansitzt, und so das Rotwild durch Unregelmässigkeiten «täuscht», bei äsenden Rudeln zum Beispiel abseits stehende Tiere und bei ziehenden Rudeln die hinteren Tiere schiesst. Er weiss aber, dass der Jagddruck auch in Zukunft zunimmt.