27.07.10 | Man hat über die Raumplanung ihre Lebensraumgebiete ausgeschieden, versucht, die zunehmenden Störungen durch den Menschen abzuwenden oder zumindest einzudämmen. Bei der Waldnutzung sind vermehrt ihre Bedürfnisse mitberücksichtigt worden. Zuletzt hat auch der Bund offiziell die Erhaltung und Förderung der Auerhühner beschlossen.
Es konnten Waldreservate zur Förderung der Hühner ausgeschieden und die nötigen Massnahmen finanziell geregelt werden. Mit der Publikation des «Aktionsplans Auerhuhn Schweiz» im Jahre 2008 hat der Bund den Vollzugsbehörden entsprechende Hilfestellung geleistet. Im Kanton St. Gallen konnte er sich dabei auf bereits bestehende Datengrundlagen und Planungen stützen.
Forschung und Wissenschaft Wenn man ein Lebewesen schützen will, muss man seine Lebensweise und Bedürfnisse sowie die begleitenden Faktoren gut kennen. Die Wissenschaft hat sich daher seit über vierzig Jahren intensiv mit dieser Hühnerart befasst und ein reiches Wissensangebot erarbeitet.
Wer sich darin vertiefen wollte konnte dies tun. Segensreich ist der über Landesgrenzen hinweg bestehende Kontakt der Praktiker und Wissenschafter, welche sich des Hühnerschutzes annehmen, um Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen und das Interesse wach zu halten.
Monitoring
Auerhühner sind scheue Tiere, welche nicht leicht beobachtet oder gar gezählt werden können. Und trotzdem möchte man ja wissen, ob die eingeleiteten oder bereits durchgeführten Massnahmen Erfolg gebracht haben. Der Bestand unse res ostschweizerischen Vorkommens muss nämlich wieder eine Grösse erreichen, welche sein langfristiges Überleben sicherstellt. Die wiederkehrenden Feldbegehungen konnten zwar einen Einblick in die Kleinpopulationen liefern, aber keine genauen Zahlen.
Molekularbiologische Methoden ermöglichen heute genauere Populationsschätzungen mittels Analysen von z.B. gesammelten Kotproben. Im Kanton St.Gallen wurde eine solche Analyse durch die Eidg. Forschungsanstalt WSL/Birmensdorf in Zusammenarbeit mit dem Amt für Jagd und Fischerei im Jahr 2003 durchgeführt. Auf diesem Hintergrund ist für das Teilgebiet Toggenburg (ohne Grabs-Wildhaus) eine weitere Analyse im Jahr 2008 erfolgt (Diplomarbeit von Urs Kormann), womit die uns interessierende Populationsentwicklung, aber auch weitere Fragen untersucht werden konnten. Das Resultat ist erfreulich.
Erfreuliche Stärkung der Bestände Der Bestand von fünf erfassten Kleinpopulationen ist vom Jahr 2003 mit 36 Hühnern auf 50 Hühner im Jahr 2008 angestiegen, was einer Zunahme von knapp 39% entspricht. Den Hauptteil lieferten die Vordere Höhe mit 14 und das Gebiet Regelstein mit 3 zusätzlichen Tieren, während auf der Schwägalp 2 und im Gebiet Tanzboden 1 Tier weniger erfasst wurden.
Die starke Zunahme auf der Vorder Höhe ist im Zusammenhang mit dem sehr grossen Heidelbeerpotenzial und den getätigten Lebensraumverbesserungen sowie dem angrenzenden, unzugänglichen Selunwald erklärbar, wo Sturm und Käferbefall gute Aufzuchtgebiete geschaffen haben. Die Abnahme im Waldreservat Schwägalp, welches seit langer Zeit Aufwertungen erfuhr, ist enttäuschend und vermutlich auf den starken Prädatorendruck zurückzuführen. Wurde doch in den Jahren 2007 und 2008 je der Haupthahn Opfer des Fuchses, womit die Balz stark gestört wurde.
Nachweise in Ausserrhoden – Störungen auf Tanzboden Erfreulich ist, dass im benachbarten Kanton Appenzell-Ausserrhoden wieder Nachweise erbracht werden konnten, welche aber nicht in diese Untersuchung eingeflossen sind. Der Rückgang im Gebiet Tanzboden ist hingegen mit den enormen Störungen durch Skifahrer, Schneeschuhläufer und Biker sowie der Begrenztheit des potenziell optimalen Lebensraumes erklärbar.
Es ist deshalb weiterhin unverständlich, dass die Rollenbergstrasse, welche als Walderschliessung vom Steintal zum Tanzboden führt, offiziell durch die Behörden in eine Bikestrecke umfunktioniert worden ist, obwohl das Gebiet rechtlich als Lebensraumkerngebiet ausgeschieden ist!
Ausblick
Gesamthaft ist die Zunahme der erfassten Bestände sehr erfreulich, aber sie darf nicht dazu verleiten, mit den Bemühungen nachzulassen. Die Bestandesgrösse muss auf ein Mass angehoben werden können, welches auch starke Bestandesschwankungen überleben kann und Überschüsse produziert, um die Ausbreitung in ehemals besiedelte Gebiete und die Vernetzung auf der Landschaftsebene zu ermöglichen.
Gefordert ist an vorderster Front weiterhin der Forstdienst, welcher den Lebensraum optimal gestalten muss. Dann muss aber auch der Fuchs entsprechend reguliert werden, weil durch die Auflichtung des Waldes die Kleinsäuger und in der Folge die Fuchsbestände zunehmen.
Dass auch die Störungen minim gehalten werden sollen, liegt auf der Hand. Leider setzen die zuständigen Politiker und Beamten oft andere Prioritäten. Aus dieser Erkenntnis haben wir uns schon früh gegen die weitere Erschliessung der Hühnerlebensräume mit Strassen gewehrt und die Holznutzung z.B. mit Seilkran gefordert, obwohl die Subventionspraxis leider den Waldstrassenbau und damit die Störungen durch Sport und Erholung fördert!
Autor: FRANZ RUDMANN, alt Kreisförster in Wattwil, ist Präsident der Interkantonalen Arbeitsgemeinschaft Raufusshühner IAR. www.auerhuhn-foerderung.ch