Hegepreis 2012 geht an die Jagdgesellschaft Lauwil (BL)

· Oktober 30, 2012

Jagd schützt und nützt: Zum ersten Mal vergibt JagdSchweiz, die Dachorganisation der Schweizer Jäger, einen Naturschutzpreis. 22 Projekte zugunsten der Vielfalt von Lebensräumen und Arten aus allen Landesteilen wurden eingereicht. Als herausragendes Beispiel zeichnet eine hochkarätige Jury das Projekt der Jagdgesellschaft Lauwil im Kanton Baselland aus.

Hegepreis 2012Anfang Jahr forderte JagdSchweiz die rund 30‘000 Jägerinnen und Jäger auf, ihre Naturschutzprojekte für den erstmals ausgeschriebenen Hegepreis einzureichen. Projekte zugunsten der Natur und Umwelt sind wichtiger Bestandteil der Jagd. Bis Ende Mai wurden 22 Dossiers aus allen Landesteilen an die Jury übermittelt. Sie zeigen die ganze Breite des jagdlichen Engagements zugunsten der Natur: zum Beispiel Biotop- verbesserungen, Schaffung oder Wiederherstellung von attraktiven Lebensräumen, Pflanzungen oder Pflege von seltenen Pflanzenarten. Insgesamt wurden von allen Projekten mit einem Arbeitseinsatz von über 16‘000 Stunden und rund 400‘000 Franken gegen 60 ha (rund 50 Fussballfelder) Lebensraum für Pflanzen und Tiere aufgewertet. Insgesamt leistet die Jägerschaft jedes Jahr 260‘000 Stunden Freiwilligenarbeit im Gegenwert von rund 6.5 Mio Franken (Zahlen: 2011).

Die Jury, bestehend aus Mirjam Ballmer, pro natura; Patrick Durand, Direktor ECOTEC environnement SA; Prof. Dr. Heinrich Haller, Direktor Schweizerischer Nationalpark; Dr. Andreas Moser, Biologe und Redaktor, NETZ NATUR SRF sowie Hanspeter Egli, Präsident JagdSchweiz, beurteilte die Projekte nach den Kriterien: Initiative und Beitrag der Jäger, Grösse und Dauer, Auswirkungen auf die Wildtiere, Beteiligung der Öffentlichkeit und Öffentlichkeitsarbeit.

Die Besucher der Webseite JagdSchweiz (www.jagdschweiz.ch) konnten die eingereichten Projekte im Internet beurteilen und ihre Stimme für einen Publikumspreis abgeben. Die Gewinner sind verpflichtet, das Preisgeld für die Weiterführung oder Weiterentwicklung des Projektes zu verwenden.

1. Preis mit CHF 5‘000: Vernetzungsprojekt Goldseileren, Lauwil, Basel Landschaft

Hegepreis 2012Im Flurgebiet Goldseileren der Gemeinde Lauwil, Kanton Basel-Landschaft, stand eine monotone Weihnachtsbaumkultur, die ökologisch umgestaltet und aufgewertet wurde. Darüber hinaus bestand eine Lücke im ansonsten von Nunningen, Kanton Solothurn, bis Pratteln, Kanton Basel-Landschaft, durchgängig bestehenden Waldgürtel. Das Projekt konnte so eine wichtige Vernetzung in der Nordwest- schweiz wieder herstellen. Die Arbeit wird weitergeführt und soll 2017 abgeschlossen werden. Die Jägerschaft leistete bisher einen grossen Arbeitseinsatz und wurde dabei von Schulklassen tatkräftig unterstützt. Ohne die Unterstützung des Forstreviers Hohwacht wäre das Projekt aber nicht soweit fortgeschritten. Der Kanton Basel-Landschaft und private Sponsoren unterstützen das Projekt finanziell. Die einzelnen Arbeitsschritte und Arbeitseinsätze wurden mit einer professionellen Medienarbeit begleitet. Die Öffentlichkeit in der Region Basel wurde über den Projektfortschritt periodisch informiert. Das Projekt ist deshalb in den Augen der Jury in vielfältiger Hinsicht vorbildlich.

2. Preis mit CHF 3‘000: Naturschutzgebiet Munté,Cazis GR

Hegepreis 2012Das Naturschutzgebiet Munté bei Cazis(GR) ist in acht Abschnitten aufgeteilt. 1971 stellte der Kanton auf Ersuchen der Jäger, Vogelkundler und der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden die ersten fünf Abschnitte unter Schutz. 1988 wurde das Schutzgebiet auf die heutige Fläche erweitert. Auf Wunsch des Jäger- vereins Ausserheinzenberg wurden ihm 1989 Unterhalt und Pflege der Abschnitte 1 bis 5 offiziell übertragen. Die Jäger und Jagdkandidaten leisten jedes Jahr zwischen 300 und 500 Arbeitsstunden. Jedes Jahr finden Beobachtungstage und Führungen für Naturschutzinteressierte statt. Führungen sollen in Zukunft auch für Schulen angeboten werden, um der Jugend die Natur näher zu bringen.

3. Preis mit CHF 1‘000 : Güterzusammenlegung Le Noirmont JU

1990 beschlossen die Grundeigentümer von Le Noirmont(JU) eine Güterzusammenlegung durchzuführen. Zwar waren ökologische Kompensationen vorgesehen, die Beeinträchtigung von wichtigen Lebensräumen war aber gross, insbesondere für den Feldhasen. Der kantonale Jägerverband, die Fédération Cantonale Jurassienne des Chasseurs (FCJC) hat dagegen Einsprache erhoben und verlangte den Schutz dieser Biotope und eine Garantie für die geplanten ökologischen Kompensationsmassnahmen. Im Gegenzug verpflichteten sich die Jäger, neue Hecken zu pflanzen und ein Teil der bestehenden zu erweitern. Für die Umsetzung des Projektes arbeitet die Jägerschaft mit der FondationTerritoires naturels und dem Jägerverein der Franches-Montagnes zusammen. Die Jäger haben sich vertraglich verpflichtet, diese Pflanzungen während fünf Jahren zu überwachen und zu pflegen.

Anerkennungspreis mit CHF 1‘000: Hegeprojekte Alpnach OW

Hegepreis 2012Die Hegegemeinschaft Alpnach OW bewirtschaftet diverse Waldwiesen am Pilatus. Durch das Ausmähen und Ausräumen wird die Verwaldung dieser Freiflächen verhindert und damit dem Schalenwild ungestörte Äsungsflächen erhalten. Der Innerschweizer Ausflugs- berg ist einem enormen Freizeitdruck ausgesetzt. Um die Einschränkung der Lebensräume von Fauna und Flora zu reduzieren, waren diese Konflikte mit dem Tourismus zu lösen. Damit die Adler mit Erfolg brüten können und den Gemsen ruhige Einstände für die Setzzeit offen bleiben, galt es, Kletterrouten zurückzubauen. Dazu wurden am Pilatus Wildruhegebiete ausgeschieden und mit der neu gegründeten Interessengemeinschaft „Klettern am Pilatus“ eine freiwillige Vereinbarung getroffen, um in zwei Gebieten die bereits eingerichteten Routen zurückzubauen. Klettern ist in bestehenden Routen erlaubt. Das Einrichten von neuen Routen und die Publikation von Kletterrouten und Klettergebieten muss mit der Trägerschaft vorgängig abgesprochen werden. Ergänzt sind diese Grundsätze und Massnahmen mit einem Kletterkodex. Auch hier zeichnet die Jury ein Projekt aus, bei dem die Jägerschaft beispielhaft die Interessen von Flora und Fauna vertreten konnte.

Publikumspreis der Birkenast GmbH: Hegeprojekt „SayserChöpfe“, Trimmis-Says

Der Publikumspreis geht an das Projekt „SayserChöpfe“ in Trimmis-Says. Die Jägersektion Calanda GR pflegt jährlich abwechselnd Äsungsflächen die im sehr steilen Gelände nur mit dem Trimmer gemäht werden können, sichert Wildeinstände und unterhält Lebensräume für das Wild. Die Birkenast GmbH, Importeurin von Meopta-Produkten, spendete den Gewinn für diesen Preis, ein Fernglas der Toplinie Meostar B1 8×42.

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