Geglücktes und beglückendes Bläserfest 2013

· Juli 9, 2013

Das 28. Eidgenössische Jagdhornbläserfest 2013 geht als in jeder Hinsicht geglückt in die Geschichte der Schweizer Jagdmusik ein. Der Oberwalliser Jagdhornbläserverband und das OK unter der Leitung von Adrian Zumstein dürfen stolz sein auf das, was den Teilnehmenden am 1. Juni in der Alpenstadt Brig geboten wurde.

Geglücktes und beglückendes Bläserfest 2013Viele altgediente Bläserinnen und Bläser dürften in gespannter Erwartung nach Brig gereist sein: Noch sind die beiden letzten Feste in Baden und in Goldach in bester Erinnerung. Beide waren her- vorragend organisiert und fanden in einer tollen Kulisse statt. Würde es den Wallisern gelingen, an diesen hohen Standard anzuknüpfen? Die Antwort am Abend des 1. Juni war ein klares Ja! Die Organisation war in allen Belangen perfekt und der ganze Anlass war von einer Herzlichkeit und Gast- freundschaft geprägt, die trotz des nicht gerade freundlichen Wetters eine tolle Feststimmung aufkommen liess. Wieder fanden alle Aktivitäten im Zentrum der Stadt statt, was viele Begegnungen mit der Bevölkerung und anwesenden Touristen ermöglichte und den Anlass zu einem tollen «Schau- und Hörfenster» für das Jagdhornbläserwesen machte.

Einmalige Kulisse

Einzigartig war die Kulisse auf dem Wettspielplatz 1. Der Hof des Stockalperschlosses ist an sich schon ein Kulturdenkmal erster Güte. Der Auftritt auf der Bühne und die ganz spezielle Akustik dürften nicht wenigen Aktiven kalte Schauer über den Rücken gejagt haben und unter den Zuhörern war immer wieder grosse Begeisterung auszu- machen. Was da zum Teil in musikalischer Hinsicht geboten wurde, war bemerkenswert. Das Niveau scheint sich von Mal zu Mal noch zu steigern. Auch die Experten bestätigten auf Nachfrage hin diesen Eindruck. Vor allem in den beiden Spitzen- kategorien A1 (Fürstpless- und Parforcehörner gemischt) und C1 (Parforcehörner in Es) hätten die Spitzenformationen eine hervorragende Qualität erreicht. Auch der Wettspielplatz 2 beim Schulhaus Hellmatten war gut gewählt und liebevoll ausgestattet.

Alter und neuer «Schweizer Meister»

Die anspruchsvollste Kategorie, C1, Parforcehörner in Es, war wiederum hart umkämpft. Den Sieg, mit hauchdünnen fünf Punkten Vorsprung, holte sich wie schon vor zwei Jahren die Geglücktes und beglückendes Bläserfest 2013Jagdhornbläsergruppe   Weiherweid (Leitung Roman Schmid), St.Gallen, vor den Entlebucher Gäms- jägern (Lukas Balmer). Unter den Zuhörenden war man sich nach Anhören des Wettspiels der beiden Formationen einig: «Das wird eng!» Überzeugten die Entlebucher durch ihren wunderbaren, vollen Klang und eine imponierende Dynamik, war vielleicht der Vortrag der «Weiherweid» technisch noch etwas ausgefeilter und von den Tempi her etwas spannender. Man war gespannt, was bei den Experten höher gewichtet werden würde. Das

Pendel schlug in Richtung Weiherweid aus. Deren Leiter Roman Schmid war überglücklich, räumte aber ein, dass die Jury auch anders hätte gewichten können, ohne dass man deswegen hätte enttäuscht sein dürfen. Bemerkenswert war, dass mit den Gommer Spielhähnen (dritter Rang) eine Formation, die wohl kaum jemand «auf der Rechnung hatte», in die Spitze vorzudringen vermochte. Etwas Pech hatten die Luzerner Jagdhornbläser: Während des Auftritts des früheren Seriensiegers (nicht weniger als 10-mal!) bliesen die Windböen so stark, dass die mit Sand- säcken verankerten Notenständer nicht mehr standhielten und teilweise umkippten. Dass es trotz dieser die Konzentration doch erheblich beeinträchtigenden Vorfälle trotzdem noch zu einer ansprechenden Note reichte, spricht für die Luzerner. Deren ehemaliger Obmann Rolf Wanderon nahms gelassen: «Auch

auf der Jagd spielt einem der Wind manchmal einen Streich», meinte er lachend. Diese kleine Anekdote illustriert sehr stimmig die Atmosphäre des Festes: Jede(r) strengte sich an und gab das Bestmögliche, aber eine verbissene Wettkampfstimmung war nirgends auszumachen. Genau so soll es sein! Das Jagdhornbläserfest ist und bleibt in erster Linie ein Treffen unter Freunden, das Wettspiel gehört dazu. Diese Feststellung mag durchaus auch an jene nicht wenigen Jagdhornbläsergruppen gerichtet sein, die bisher leider darauf verzichten, am eindrücklichen Erlebnis eines Bläserfestes teilzunehmen.

Auch in der Spitzenkategorie der B-Hörner (Fürstpless- und Parforcehörner gemischt), A1, kam es zu einer Titelverteidigung: Die «Corns da catscha Pez Fess» aus dem bündnerischen Vorderrheintal unter der Leitung von Clemens Christoffel liess sich auch diesmal die Butter nicht vom Brot nehmen.

Spezielle Attraktion und weit gereiste Gäste

Geglücktes und beglückendes Bläserfest 2013Eine besondere Note verlieh dem Fest die Teilnahme der «Trompes du Pays de Fribourg», einer Formation, welche die vor allem in Frankreich üblichen «Trompes de Chasse» spielt. Diese Parforcehörner sind in der für die meisten Musikliebhaber gewöhn- ungsbedürftigen Grundstimmung «D» gestimmt. Die enge Mensur des Instrumentes erzeugt einen starken, metallischen und obertonreichen Klang. Dadurch brachten die Fribourger eine ganz neue Farbe in den vertrauten Strauss der Jagdmelodien. Aber diese Farbe bekam viel Zustimmung und Applaus. Die Fribourger fühlten sich im bisher leider exklusiv deutschschweizerischen Kreis der Jagdhornbläser herzlich aufgenommen und freuten sich entsprechend. «Wir werden dafür sorgen, dass beim nächsten Fest mehrere Gruppen aus der Romandie teilnehmen », versprach ihr Obmann Adrien Cudré-Mauroux coram publico, was mit einem tosenden Applaus der Jagdhornbläser-Gemeinde quittiert wurde.

Auch diesmal sind wieder Gruppen aus dem Ausland

angereist. Allen voran die treuen Gäste aus der Forstdomäne Kladska in Tschechien, die prompt auch wieder Sieger ihrer Kategorie wurden. «Wenn nichts Gravierendes da- zwischen kommt, werden wir diesen Titel auch in zwei Jahren wieder verteidigen», meinte Obmann Tomas Janda. «Wir haben uns hier wieder sehr wohl gefühlt und uns herzlich gefreut, langjährige Freunde wieder zu treffen.» Damit ist nicht zuletzt der musikalische Leiter der JBG Weiherweid, Roman Schmid, gemeint, der zusammen mit Charly Lehmann (Waldmann Zürich) und Hans Lang (SonatEs) zu den langjährigen Jagdgästen in Kladska gehört und massgeblich daran beteiligt ist, dass Tschechien regelmässig am eidgenössischen Bläserfest vertreten ist. Mehrheitlich aus Liechtenstein (mit St. Galler Verstärkung) kamen «Die Wilden», die ihrem Namen alle Ehre machten, sowie aus Deutschland die Parforcehornbläsergruppe Dingolfing (nähe Landshut, Bayern).

«Alles gut gegangen!»

Der Präsident des Organisationskomitees, Adrian Zumstein, zeigte sich nach Abschluss des Festes glücklich und zufrieden: «Das ganze Fest ist unfallfrei und ohne Pannen über die Bühne gegangen!» An der Debriefing-Sitzung mit dem Vorstand des Jagd- hornbläserverbandes und Mitgliedern der Jury habe er den Dank des Präsidenten, Andri Vital, und von allen Seiten grosse Anerkennung entgegennehmen dürfen. «Es liegt mir am Herzen, auch an dieser Stelle allen Beteiligten, unseren vielen Helferinnen und Helfern und auch den teilnehmenden Gruppen herzlich zu danken», sagte Zumstein gegenüber JAGD&NATUR. «Ich war sehr beeindruckt vom guten Geist, der unter den Teilnehmenden geherrscht hat, ebenso aber auch vom hohen musikalischen Niveau des Wettbewerbs. Allen, die sich für dieses Fest eingesetzt haben, sind die (zum Teil recht vielen) investierten Stunden auf das Beste vergolten worden.»

Auszug aus der Rangliste

 

 

 

Text und Fotos: Fredy Kradolfer

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