FACE feiert den 35. Geburtstag

· Oktober 26, 2012

FACE, der Zusammenschluss der Jagdverbände der EU-Staaten, hat diesen Herbst mit einer Reihe von Veranstaltungen die bereits seit 35 Jahren währende Zusammenarbeit zwischen Jägern, der Gesellschaft und der Natur gefeiert.

Am 6. September waren die Vertreter der europäischen Jagdwelt aus 25 Ländern nach Brüssel zur jährlichen FACE Generalversammlung gekommen. Die intensive Veranstaltung widmete sich einer Vielzahl von Themen mit grosser Relevanz für die Jagd in Europa. Die FACE-Mitglieder diskutierten die Aktivitäten der zwölf Arbeitsbereiche von FACE, jeder von jeweils fundamentaler Bedeutung für alle Jäger. Die Bandbreite reichte dabei von Fragen zum Mitgliederservice über die Gesundheit und das Wohlergehen von Tieren bis hin zu Feuerwaffen und Munition, aber natürlich auch der Erhaltung der Natur und ihrer Wildtiere. Die Vielfalt der diskutierten Themen steht dabei stellvertretend für die Bedeutung und die Tragweite des Einflusses der EU in diesen Bereichen.

Wahlen der FACE-Führungsspitze

FACE ist das grösste demokratische repräsentative Organ der Jäger weltweit. Sein Präsident sowie der repräsentative Leitende Ausschuss und der Vorstand werden alle drei Jahre neu gewählt. Jedes bei FACE vertretene Land erhält ein Stimmrecht. Der Leitende Ausschuss setzt sich aus den fünf grössten Jagdländern sowie sechs Repräsentanten für jeweils eine der europäischen Regionen zusammen.

Gilbert de Turckheim wurde von den FACE-Delegierten einstimmig als FACE-Präsidenten wiedergewählt. In den vergangenen neun Jahren übte Gilbert den Vorsitz über alle wichtigen Veranstaltungen von FACE und die Leitung der Organisation in einer Zeit grosser Veränderungen aus. Sein grosser Erfolg macht ihn damit zu dem Präsidenten, der dieses Amt bisher bei weitem am längsten innegehalten hat. FACE-Generalsekretär Yves Lecocq tritt nach 28 Jahren offiziell von seinem Amt zurück. Sein Amt wird von FACE-Hauptgeschäftsführer Angus Middleton übernommen, der das FACE-Sekretariat seit vier Jahren leitet und damit beide Funktionen zusammenführt.

Im Anschluss an diese intensive Sitzung trafen sich die FACE-Delegierten im Herzen des Brüsseler EU-Viertels gemeinsam mit wichtigen Vertretern der Europäischen Kommission und dem Parlament, langjährig wirkenden FACE-Persönlichkeiten, Partnerorganisationen aus dem Naturschutzbereich und Vertretern der Industrie zu einem stimmungsvollen Abendempfang.

Die Jubiläumsfeier

Als Mitglied des Europäischen Parlamentes und Präsidentin der Intergruppe Nachhaltige Jagd des Europäischen Parlamentes brachte Véronique Mathieu in ihrer Rede zur Eröffnung der Veranstaltung ihre volle Unterstützung für FACE und seine Ziele zum Ausdruck und erwies auch FACE-Präsident de Turckheim eine Hommage, bevor dieser das Wort ergriff.

EU-Umweltkommissar Janez Potocnik beglückwünschte FACE in seiner Ansprache zu den erreichten Zielen und bot neben verschiedenen Gesichtspunkten auch Perspektiven zu spezifischen Fragen wie Grossraubtieren, Natura 2000 und Invasiven gebietsfremden Arten. Der Kommissar beantwortete ebenfalls Fragen der FACE-Mitglieder und ermöglichte damit die Gelegenheit für einen offenen Dialog zwischen den Vertretern der europäischen Jagdwelt und dem führenden Akteur der europäischen Umweltpolitik.

Der Kommissar würdigte den Beitrag und die konstruktive Rolle von FACE bei der Naturerhaltung in Europa. Er betonte die positiven Auswirkungen der Arbeit von FACE und seinen Mitgliedern seit 1977 und den beispielhaften Dialog und die Kooperation mit anderen Interessenvertretern aus dem Bereich der Naturerhaltung. Dabei würdigte er ausdrücklich die Initiative Nachhaltige Jagd «als äusserst gutes Beispiel für den konstruktiven Dialog zwischen all den verschiedenen betroffenen Parteien, das aufzeigt, wie viel man durch ein proaktives Engagement und Kooperation erreichen kann». Mit einem Dank an alle für ihr Engagement und ihre Unterstützung sowie ihre Konstruktivität und Bereitschaft zur Hilfe und Kooperation beendete Kommissar Potolnik seine Rede.

Generalsekretär Yves Lecocq, der dieses Amt seit 28 Jahren innehielt, präsentierte in einer dynamischen Sitzung die Geschichte der Jagd in Europa: FACE 35 Jahre im Werden – und blickte dabei auf die grossen historischen Meilensteine für die Jäger und andere Naturschützer in Europa seit 1977 zurück. Auch Gründungsväter sowie weitere Persönlichkeiten und langjährige Partner ergriffen im Rahmen der Präsentation das Wort. Dabei bot dieser besondere Jubiläumstag mehr als die Gelegenheit für einen Rückblick in die Vergangenheit, sondern vielmehr eine Chance, einen Blick auf 35 Jahre Wissen und Erfahrungen im Hinblick auf die Entwicklung der Jagd und des Naturschutzes in Europa zu richten, mit dem Ziel, für unsere gemeinsame Zukunft optimal zu informieren.

Diese unschätzbaren Erfahrungen der FACE-Mitglieder und seiner Partner bildeten die Grundlage für die anschliessende interaktive und stimulierende Podiumsdiskussion der europäischen Jägerschaft mit verschiedenen Podiumsgästen zum Thema: Der Ausblick für die Jagd. Wildbiologe John Linnell sowie Nick Hanley und Eric Peters als massgebliche Repräsentanten der Europäischen Kommission diskutierten gemeinsam unter der Moderation des langjährigen Mitglieds des Europäischen Parlamentes und jetzigen Ehrenmitglieds von FACE Dr. Michl Ebner. Im Gegensatz zu der Generalversammlung der Mitglieder am Vortag, in deren Rahmen die Arbeit von FACE und ihre technischen Details erörtert worden waren, zielte diese Sitzung darauf ab, ein umfassenderes Bild der Jagd in Europa zu vermitteln und die grossen Fragen rund um unsere Zukunft aufzugreifen.

Alle Podiumsteilnehmer stimmten überein, dass die Jagd und die Jäger in Europa vor grossen Herausforderungen stehen und diese durch politische und wirtschaftliche Faktoren, der Zukunft der EU, und unserer im ständigen Umbruch befindlichen Gesellschaft und den Auswirkungen der massiven Verstädterung geprägt werden. Ebenfalls betont wurde der Nutzen der Jagd für die Gesellschaft und ihr Potenzial für das Europa im 21. Jahrhundert. Konsens bestand über die Bedeutung der klaren Profilierung des Nutzens der Jagd und der Schaffung eines Dialogs mit der Öffentlichkeit und anderen Interessengruppen aus dem Naturschutzbereich zum Zweck eines besseren gegenseitigen Verständnisses und der Erhaltung der Jagd in der Zukunft. Die herausragende Botschaft besteht darin, dass mit diesen Herausforderungen auch grosse Chancen verbunden sind.

Richter Nicholas Forwood, Gerichtshof der Europäischen Union verkündete das Urteil über den Tag. Er merkte die Bedeutung der 35-Jahre-Retrospektive an und zitierte den britischen Historiker Arnold Toynbee zum Aufstieg und Fall von Zivilisationen: «Ungenutzte Geschichte ist nichts, da jedes intellektuelle Leben Handeln ist. Wie im praktischen Leben, und wenn man diesen Stoff nicht nutzt, dann kann er genauso gut tot sein.» Forwood betonte das politische Leben von FACE und die Tatsache, dass Organisationen gemeinsam gedeihen, wenn sie ein klar identifiziertes gemeinsames Ziel haben. Er nahm die Aussage in Anspruch, dass vielmehr jeder Feind der Jagd individuell als Problem identifiziert werden muss und weniger eine spezifische Gruppe – etwas, das FACE mit grossem Erfolg in den vergangenen 35 Jahren gemacht hat, nämlich Gemeinsamkeiten mit anscheinend gegensätzlichen Gruppen zu finden.

Der bedenkliche Einfluss der Wahrnehmungen von Themen wurde unterstrichen und wie am besten mit der öffentlichen Wahrnehmung von Jagd und Jägern in einer sich ständig verändernden und rapide verstädternden Welt umzugehen sei – und dabei weiterhin eine solide wissenschaftliche Basis für diese Aktivität bereitzustellen. Forwood verkündete sein Urteil, indem er Véronique Mathieus Eröffnungsrede in Erinnerung rief: FACE hat in den vergangenen 35 Jahren gezeigt, dass er wahrlich «ein zuverlässiger Partner mit grossem Mehrwert ist». Forwood urteilte, «der Mehrwert wird weiterhin nötig sein, sogar mehr als in der Vergangenheit, und ich persönlich hoffe, wie sicherlich jeder in diesem Raum, dass dieser zu einer Neubewertung des Jägers im Auge des durchschnittlichen europäischen Bürgers beiträgt».

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