Die Jagdverwaltung schafft sich ab

· August 21, 2012

An jeder Jagdorientierung und Obmännertagung des Jagdbezirks wird im Kanton Zürich darauf hingewiesen, ja den vorgegebenen Abschuss einzuhalten. Der Forstvertreter weist auf die starken Verbissschäden hin und legt den Jägern nahe, an die obere Grenze, also an den Maximalabschuss zu gehen. Waren einst die Vorgaben bei 100%, sind sie für 2011 mit maximal 120% des Geissenbestandes festgelegt worden.

Mit Erstaunen las ich kürzlich (im GEO 5/2011) den Artikel: «Welche Jagd braucht der Wald?» Die Autoren zeigen nicht etwa Visionen oder ferne Wünsche der deutschen Forstverwaltungen auf, sondern bereits umgesetzte Massnahmen, um den Wildbestand mit allen Mitteln zu senken.

In Deutschland stehen mit 11,6 Stück Schalenwild auf 100 Hektar Wald bis zu viermal mehr, als gut ist für den Forst. Die damit verbundenen hohen Verbissschäden sind gegen die Natur, aber auch gegen das Gesetz. Denn in den Wald und Jagdgesetzen vieler Bundesländer steht der Grundsatz «Wald vor Wild».

Im Revier Massow bei Tornow (Brandenburg) wurde im Januar eine gross angelegte Treibjagd veranstaltet. Gut 100 Männer und Frauen wurden angewiesen, Beute zu machen. Alles, was der Abschussplan erlaubt, darf fallen. Egal welches Geschlecht, egal welches Alter. Es sind Schützen unterwegs, die zwar die Jagd lieben, aber noch mehr den Wald. Sie schiessen nach anderen Kriterien und deutlich mehr, als die traditionelle Jägerlehre vorsieht. Jagd wie im Revier Massow, also «scharfe Reduktionsjagd» bei der nicht nach gegenwärtiger oder zukünftiger «Trophäenqualität» erwogen wird, gilt vielen der traditionellen Weidmänner als unethisch, als Ausrottungsfeldzug.

Unsere Zeitschriften «Wald und Holz» oder «Zürcher Wald» zitieren immer wieder Anordnungen und Erlasse aus Forstkreisen unserer Nachbarländer wie Österreich und speziell Deutschland. Es ist also nicht verwunderlich, wenn – wie die neuesten Abschussvorgaben des Forstes zeigen – auch der Kanton Zürich schon von diesem Reduktionsvirus befallen ist. Das nachfolgende, nicht ernst zu nehmende Zahlenspiel zeigt auf, was für Auswirkungen im Kanton Zürich mit einer solch drastischen Bestandesregulierung eintreten könnten.

Stück Schalenwild auf 100 Hektar Wald ergibt in zürcherischen Revieren bei einem mittleren Waldanteil von 400-500 Hektar 15 Stück Schalenwild/Rehwild. Bei einer Pächterzahl von acht Jägern entfallen bei einer Abschussvorgabe von 100% des Geissenbestandes 10Tiere pro Jahr oder 1,25 pro Pächter und Jahr. Das heisst, dass jeder Pächter eine Geiss pro Jahr und alle 4 Jahre einen Bock zugut hat, Fallwild nicht berücksichtigt.

Die Auswirkungen für die Wirtschaft sind fatal und erfreulich zugleich. Fatal für die Munitions- und Waffenverkäufe. Wenn nur noch alle vier Jahre eine Kugel für den Bock verschossen wird, lohnt sich eine eigene Waffe kaum noch. Ein Kugelgewehr und eine Schachtel Munition pro Jagdgesellschaft reichen vollauf. Erfreulich für die Versicherungsgesellschaften, da bei diesen gelichteten Wildbeständen praktisch keine Kollisionen mit Fahrzeugen mehr vorkommen. Die Versicherungsleistungen gehen um 95% zurück, die Jagdhaftpflicht-Prämie kann um 5% reduziert werden.

Da bei der letzten Jagdpachtfestlegung auch die Bestandes und Abschusszahlen wesentlich mitberücksichtigt worden sind, erfolgen hier natürlich auch Korrekturen. In Revieren mit einer vorherigen maximalen Abschussvorgabe von 70 Stück Rehwild und einer Jagdpacht von rund 10 000 Franken pro Jahr (= rund Fr.145.- pro Stück Rehwild) wird sich der Pachtbetrag korrekterweise auf Fr. 1450.- pro Jahr reduzieren.

Sollte die Jagdverwaltung weiterhin selbsttragend existieren müssen, ist der Umzug aus der heutigen Residenz in eine Abbruchliegenschaft voraussehbar. Die teure Allradflotte wird gegen einen Gebrauchtwagen aus einem Schwellenland eingetauscht. Der Personalbestandwird auf eine einzige 25%-Stelle für den Jagdverwalter gesenkt. Um die Jagdverwaltung dennoch nicht ganz abzuschaffen, werden die Jagdgesellschaften angehalten, dem Jagdverwalter im Turnus alle 8 Jahre einen Bock zum Abschuss freizugeben – unter unentgeltlicher Überlassung des Wildbrets.

Auto: Balz Fitze, Wildberg

Filed under: Jagd & Umwelt

Tags:

-->