Dem Fuchs auf den Balg gerückt

· Dezember 24, 2012

Reineke Fuchs begegnen wir seit jeher in Sagen, Erzählungen und Liedern. Seines Balges wegen bejagt ihn der Mensch wohl schon seit Jahrtausenden. Die Kunst dieses spannenden und Freude bereitenden Weidwerks scheint jedoch vielerorts in Vergessenheit geraten zu sein. JAGD&NATUR war zu Besuch bei einem erfahrenen Fuchsjäger im st. gallischen Toggenburg und hat ihm beim Abbalgen über die Schultern geschaut.

Dem Fuchs auf den Balg gerücktMehr als Tausend Füchse hat er schon erlegt, der Toggenburger Jäger Hansueli Schmid. In zahllosen, klirrend kalten Nächten hat er dem Rotrock am Luderplatz aufgelauert. Es ist für ihn Ehrensache, jeden einzelnen Fuchs eigenhändig abzubalgen und dann stolz mit der Beute auf die Pelzfellmärkte zu fahren. Hansueli Schmid vermittelt der Leserschaft von JAGD&NATUR gerne sein langjähriges Praxiswissen.

Ist der Fuchs erlegt, wird er zum Abbalgen entweder an den Hinterläufen aufgehängt oder auf einem ausreichend grossen Tisch bereitgelegt. Eingefrorene Füchse sind frühzeitig aufzutauen. Als Hilfsmittel und Werkzeuge eignen sich unterschiedliche Messer, eine Kneifzange, eine Spitzzange, ein Cutter, ein Wetzstahl, Zeitungspapier, Hammer, Hufnägel, ein Spannbrett, ein altes Küchentuch sowie Gummihandschuhe.

In einem ersten Schritt werden die Läufe an deren Unterseite mit einem scharfen Messer oder einem Cutter vorsichtig aufgeschnitten (Bild 1). Dann wird der Balg von den Läufen gelöst und bis über die Branten heruntergezogen. Mit einer stumpfen Zange lassen sich die Gelenke vorsichtig aus der Brante herausziehen (Bild 2). Am letzten Glied werden die Gelenke abgetrennt (Bild 3); die Krallen bleiben am Balg.

Weiter geht es mit dem Auslösen des Luntenknochens. Die Lunte wird an der Unterseite, vom Weidloch bis zur Blume, mit einem Cutter aufgeschärft (Bild 4). Mit Hilfe eines Küchentuches wird der freigelegte Luntenknochen mit beiden Händen vorsichtig aus dem Balg gezogen (Bild 5). Wahrlich eine «Knochenarbeit »! Die Gefahr, den Luntenbalg abzureissen, ist gross. Nicht zu vergessen ist der kleine Schweissfleck am Luntenende. Dieser ist sauber auszuputzen (Bild 6).

Nun wird der Kern weiter abgebalgt. Bei den Vorderläufen angelangt, werden diese aus dem Balg gezogen (Bild 7). Und dann geht es mit dem Abbalgen weiter bis zum Kopf. Beim Durchschärfen von Gehören und Sehern ist wiederum Vorsicht geboten. Nur zu schnell entstehen Verletzungen des Balgs durch unachtsame Schnitte (Bild 8). Die letzte Hürde bildet der Nasenschwamm. Mit viel Fingerspitzengefühl wird er herausgelöst, schliesslich soll er am Balg verbleiben (Bild 9).

Der gewonnene Balg muss nun getrocknet werden. Zu diesem Zweck wird er, mit der Haarseite nach innen, auf ein Spannbrett aufgezogen (Bild 10). Für die Befestigung besonders geeignet sind Hufnägel. Anschliessend werden Lunte und Läufe mit Zeitungspapier ausgelegt (Bild 11). Das Papier ist so lange zu wechseln, bis der Untergrund trocken ist. Die Grundlage für edle und anspruchsvolle Pelzprodukte ist gelegt (Bild 12).

JAGD&NATUR empfiehlt, Raubwild nur mit Gummihandschuhen abzubalgen. Der Jäger schützt sich damit vor Fuchsbandwurm, Tollwut und anderen Krankheitserregern.

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