Bündner Hochjagd 2012

· November 1, 2012

Gute Strecken bei Gämse und Reh sorgten trotz einer eher unterdurchschnittlichen Hirschjagd für eine weitgehend zufriedene Bündner Jägerschaft, aller-dings mit regionalen Unterschieden. Eine Sonderjagd zur Erfüllung der Jagd-planung ist beim Hirschwild in fast allen Regionen notwendig, beim Rehwild nur noch in stark eingeschränktem Masse. Die hohen Wildbestände müssen der Kapazität der vorhandenen Wintereinstandsgebiete angepasst werden.

Im Hochjagdmonat September ist kaum Schnee gefallen. Häufig haben jedoch Regenwetter, Nebel und Föhnlagen die Ausübung der Jagd behindert. Noch weitgehend grüne Herbstweiden haben für gute Äsungsbedingungen in Wildschutzgebieten und im Schweizerischen Nationalpark gesorgt, was sich erfahrungsgemäss ebenfalls negativ auf den Eingriff in die Hirschpopulationen auswirkt.

Im langjährigen Vergleich sind eine eher unterdurchschnittliche Strecke bei der Hirschjagd und gute Resultate bei der Reh- und Gämsjagd zu verzeichnen. 5’477 Jägerinnen und Jäger, davon 165 Jägerinnen, haben an der Bündner Hochjagd 2012 teilgenommen.

Hirschjagd: keine idealen Bedingungen, zu wenig Tiere erlegt

Mit 2’823 auf der Bündner Hochjagd erlegten Hirschen wurde ein unterdurchschnittliches Resultat erreicht. Allerdings ist die Hirschstrecke je nach Region unterschiedlich ausgefallen.
Die im September noch sommerlichen Vegetationsverhältnisse, ein später Brunftbeginn und ungünstige Meteoverhältnisse sind die wichtigsten Gründe für eine fast überall eher unterdurchschnittliche Hirschstrecke. Zu den positiven Ausnahmen gehören die Bündner Südtäler, das Domleschg und die Region Hinterrhein.

Mit über 1‘548 Hirschstieren gegenüber 1‘275 Hirschkühen ist die Strecke bezüglich des Geschlechterverhältnisses ausgeglichener als auch schon. Die Steuerung der Hirschbestände erfolgt prioritär über den weiblichen Populationsanteil, beziehungsweise den Abschuss weiblicher Tiere. Mit der Herbstjagd soll je nach regionalem Bedarf der noch notwendige Eingriff bei den weiblichen Tieren und erfolgen.

Rehjagd erstaunlich gut

Das Resultat der Rehjagd ist nach dem letzten in Nordbünden ausserordentlich schneereichen Winter als überraschend gut zu bezeichnen. Mit 1‘501 erlegten Rehböcken liegen wir zwar etwas hinter dem letztjährigen Ergebnis zurück, mit gut 1‘000 Geissen ist die Strecke jedoch etwas höher als 2011. Ein deutlicher Qualitätsunterschied zeigt sich bei der Ausbildung der Trophäen. Nach einem milden Winter sind in Südbünden starke Rehböcke erlegt worden, ganz im Unterschied zu Nordbünden. In 11 von 27 Regionen bzw. Teilregionen muss das Ungleichgewicht beim Geschlechterverhältnis auf der Herbstjagd noch ausgeglichen werden.

An den letzten beiden Jagdtagen wurden im Engadin und Münstertal 25 Rehkitze erlegt. In den Regionen Sur funtauna merla (Oberengadin), Zernez-Ardez und Val Müstair erübrigt sich eine Herbstjagd auf Rehwild.

Gute Gämsjagdstrecke

Mit rund 3‘000 Gämsen wurden deutlich mehr Tiere als im Vorjahr erlegt. Damit liegt die Strecke im angepeilten Bereich. Der zusätzliche Schutz der Gämsgeiss während vier Jagdtagen wurde zwar von zahlreichen Jägern kritisiert, hat aber dazu geführt, den Eingriff in die Gämsbestände zu limitieren. Das war beabsichtigt, denn in zahlreichen Regionen des Kantons ist in den letzten 20 Jahren ein Rückgang der Gämsbestände zu beobachten. Mit der vorsichtigen Strategie soll vermieden werden, dass die Jagd eine negative Entwicklung der Gämsbestände mitverursacht.

Hohe Hirsch- und Rehbestände erfordern konsequente Umsetzung der Jagdplanung

Die unterdurchschnittlichen Hirschstrecken erfordern in fast allen Regionen des Kantons die Durchführung einer Herbstjagd auf Hirschwild. Grosse Herbstjagden sind einmal mehr in der Umgebung des Schweizerischen Nationalparkes nötig. Der Abschussplan für die kommende Herbstjagd ist zwar höher als in den letzten fünf Jahren, aber tiefer als 2004 und 2006.
In mehreren Regionen wurde der Rehabschussplan während der Hochjagd bereits erfüllt. Beim Reh konzentrieren sich die noch erforderlichen Eingriffe vor allem auf die östlichen Gebiete des Kantons.

Hirsch- und Rehbestände zeichnen sich im Gegensatz zum Gäms- und Steinwild durch eine hohe Reproduktionsleistung aus. Bei diesen beiden Arten wächst der Bestand jährlich um gut einen Drittel des Frühlingsbestandes an. Dies bedeutet beim Hirsch einen jährlichen Zuwachs von rund 5‘000 Tieren. Entsprechend hoch muss die jährliche Entnahme sein, um mindestens eine Stabilisation der Bestände im Kanton zu erreichen. Die Herbstjagd hat zum Ziel, die Wildbestände an ihre Wintereinstände anzupassen. Damit wird die wichtigste Hegemassnahme umgesetzt, nämlich die Anpassung der Bestandesgrösse an die Kapazität des Lebensraumes. In der Mesolcina werden während der Herbstjagd auch die Wildschweine bejagt.

Für die Herbstjagd haben sich 2’400 Jägerinnen und Jäger angemeldet. Diese Teilnehmenden erfüllen mit der Anpassung der Wildbestände an ihre Wintereinstände eine wichtige Aufgabe. Durch eine konsequente Bejagung können die Fallwildverluste im Winter reduziert werden, zudem lassen sich Schäden am Wald und an landwirtschaftlichen Kulturen beschränken bzw. verhindern.

Quelle: Amt für Jagd un Fischerei Graubünden

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