«Bewaffneter Seniorenausflug»

· März 26, 2013

Fredy KradolferDer Satz ist schon fast eine Plattitüde: «Die Jugend ist unsere Zukunft! » Und ist doch, insbesondere auch mit Bezug auf die Jagd, nichts als die Wahrheit.

Erstmals ganz bewusst auf dieses Thema gestossen wurde ich vor einigen Jahren durch einen Landwirt in dem Revier, an dem ich damals als Pächter beteiligt war. Auf seinem Traktor näherte er sich dem Sammelplatz unserer Jagdgesellschaft, als wir uns gerade zu einem nächsten Trieb aufmachten. Er hielt zu einem kurzen Schwatz an, der in der Aussage gipfelte «Aha, ihr seid auf der Jagd! Zuerst habe ich gemeint, dies sei ein bewaffneter Seniorenausflug! ».

Mein etwas betretener Blick in die Runde bestätigte es. Das Witzchen war tatsächlich nicht ganz ohne realen Hintergrund entstanden. Und ich mache mir seither immer wieder meine Gedanken, warum dem so ist. Dabei komme ich zur Auffassung, dass es ganz verschiedene Entwicklungen und Trends gibt, die eine nachhaltige Verjüngung der Jägerschaft nicht gerade beschleunigen. Da gibt es zum Beispiel die Tatsache, dass sich die Menschen unserer Zeit immer stärker vom «Wir» zur «Ich-AG» hin entwickeln. Man will sich nicht mehr verpflichtend in eine Gruppe einbinden. Aus Rücksicht auf das Ganze die eigenen Interessen auch einmal zurückzustellen, wird oft schon als «Schwäche» empfunden. Unter diesem Effekt leidet nicht nur die Jagd. Auch Freizeitvereine verschiedenster Ausrichtungen, von Musik-, Turn-, Schiessoder Theatervereinen bis hin zu Jagdhornbläsergruppen, wissen davon ein Lied zu singen.

Dazu kommt, dass sich die Informationsgewohnheiten der nachwachsenden Generation radikal geändert haben. Internet, Handy, Gratiszeitungen haben alle ähnliche Formen: Kurz und knackig müssen die Aussagen sein, wollen sie beim Adressaten ankommen. Aber komplexe Dinge wie eben die Jagd sind nun mal nur sehr schwierig mit «Kurzfutter-Journalismus» zu erklären. Will ein junger Mensch sich darüber fundiert informieren, muss er zuerst seine Lesegewohnheiten ändern. Das ist eine hohe Hürde.

Diese Feststellungen müssen auch Konsequenzen haben für die Information über die Jagd. Wollen wir die Jugend wirklich erreichen, dann sind zwar die Gott sei Dank recht häufig praktizierten Besuche in Schulen ein hervorragendes Mittel, das fast jeden Aufwand und höchste Konzentration verdient. Sie genügen aber nicht. Wir müssen Mittel und Wege finden, die jungen Menschen auf ihren Kanälen, heissen sie nun Facebook, Youtube oder wie auch immer, in ihrer Sprache abzuholen.

Eine reizvolle Aufgabe. Nur schade, dass sie wohl wieder von jenen vielleicht 10 Prozent der JägerInnen erledigt werden muss, die schon bis anhin (fast) alles gemacht haben …

Text: Fredy Kradolfer

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