Begegnungen

· Februar 28, 2013

Liebe Leserin, lieber Leser

Markus P. StaehliIn den vergangenen Wochen durfte ich auf zahlreichen Veranstaltungen, auf Pelzfellmärkten, an Trophäenschauen und Versammlungen, vielen interessanten Persönlichkeiten begegnen. Dabei ergaben sich immer wieder anregende und spannende Gespräche. Logisch, es wurde auch über weniger Wichtiges wie das Wetter diskutiert. Häufig fiel der Spruch: «Wieder mal ein richtiger Winter!»

Über Wochen hat es immer wieder geschneit. Selbst in Zürich sind Neuschneemengen zusammengekommen wie seit 1970 nicht mehr. Während wir zuhause vor dem warmen Ofen sitzen, wird das Wild Tag und Nacht von Kälte, Schnee und Eis gefordert. Ein Sonnenbad, bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt, klingt nicht besonders einladend, aber es stellt einen wichtigen Teil der Überlebensstrategie des Steinwildes im Winter dar. Nahrungsknappheit und begrenzte Fettvorräte zwingen die Tiere zu einer enormen Reduktion des Stoffwechsels, weshalb sie jede Winternacht auskühlen. Die Wiedererwärmung erfolgt am Morgen mit Hilfe der Sonne. Dr. Claudio Signer berichtet uns über diese erstaunliche Verhaltensweise, das «Sonnenanbeten» des Alpensteinbocks.

Grosse Schneemengen in höheren Lagen drängen das Wild ins Tal. Überall, auf Strassen, Wiesen und in Gärten zeugen Spuren und Fährten von nächtlichen Streifzügen der Wildtiere. Bloss – so richtig deuten kann diese Branten- und Schalenabdrücke heute kaum mehr jemand (vgl. Beitrag von Dr. Martin Merker, Seite 30). Kommt es dann auch noch zu direkten Begegnungen mit Wildtieren, ist der Mensch häufig überfordert: «Ich lasse meinen Hund hier immer frei laufen … bis heute habe ich keine Rehe gesehen!» Fast täglich ist im «Schweizer Blätterwald» von solchen «Begegnungen» zu lesen: von wildernden Hunden, tragischen Wildunfällen, schadenstiftendem Wild in Gärten und Anlagen, usw.

Den Jägerinnen und Jägern kommt die nicht leichte Aufgabe zu, die Bevölkerung für diese spezielle Situation im Winter zu sensibilisieren. Dies kann durch eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, durch persönliche Gespräche, durch die Intervention bei Behörden und ständig wiederkehrende Forderungen nach Wildruhezonen geschehen.

Mit Weidmannsheil

Ihr Markus P. Stähli
Chefredaktor

Filed under: Jagd & Umwelt

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