Ausbildung und Beschäftigung gewusst wie!

· Juni 11, 2013

Egal welches Ziel man mit der Hundeausbildung verfolgt, der Aufund Ausbau des Vertrauens ist das Erste und Wichtigste, was man sich erarbeiten muss. Hundeexperte Ueli Bärtschi erläutert die Hintergründe.

Ausbildung und Beschäftigung gewusst wie!Als ganz junger Hundeführer las ich viel in Büchern. Ich suchte nach Anleitungen und Ideen und versuchte anschliessend, das Studierte beim Hund umzusetzen. Wenn etwas nicht klappte, ging ich nach Hause zurück und stöberte in den Hundebüchern nach den richtigen Rezepten. Eigentlich die schlechteste Vorgehens- weise, wenn man bedenkt, dass die Korrektur beim Hund jeweils innert Sekunden vorgenommen werden muss. Leider war es damals noch so, dass kaum jemand gewillt war, mir etwas zu sagen oder zu helfen. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich einen Kollegen, welcher ein exzellenter Hundeführer war, um Hilfe bat. Schroff wurde ich von ihm angeschnauzt, mit der Erklärung: «Wir mussten auch alles selber lernen!»

Als ich später selbst begann, mein Wissen an Interessierte weiterzugeben, bekam ich doch tatsächlich genau von diesen Leuten eine Rüge: Warum ich denn meine Tricks und Kniff s sowie meine Methoden einfach so preisgebe … Persönlich habe ich damit jedoch kein Problem. Aus meiner Sicht sollte man alles Wissen so gut wie nur möglich weitergeben, sodass andere auch etwas davon haben. Ich bin überzeugt, dass es damit vielen Hunden in ihrem Werdegang besser geht. Und wenn dadurch einem Hund im schlimmsten Fall Torturen erspart werden können, hat es sich sowieso schon gelohnt.

Lehrgänge für Hundeführer

Ausbildung und Beschäftigung gewusst wie!Mittlerweile werden Lehrgänge für Hundeführer, Hundekurse, Workshops, Trainings, oder wie sie auch immer genannt werden, in Hülle und Fülle angeboten. Schier jede Institution off eriert unterdessen etwas in dieser Richtung. Obschon es bei den jagdlich geführten Hunden am einen oder anderen Ort etwas länger gedauert hat, muss man der Gerechtigkeit halber sagen, dass genau die Jägerschaft mit zu jenen gehört, die schon am längsten Hundeführer und Hundekurse anbieten. Als «Hundeführer /Konsument » kann und darf man zu seinem Vorteil von allen das Gute «stehlen» und das Unnütze oder sogar Schlechte verwerfen. Bedingung ist halt nur, dass man sich traut, nein zu sagen. Und dies, auch wenn es einem schwerfällt, z.B. gegenüber dem Kursleiter. Noch schlimmer wird es, wenn es sich beim Gegenüber um einen «richtigen Hundeguru» handelt, bei dem alle anderen Meinungen nicht gelten. Meist lügt aber das eigene Bauchgefühl nicht und oft weiss man selber am besten, was gut für den Hund ist.

In unserer kleinen Gruppe, in welcher wir während der Sommermonate zusammen «hündelen», ist es für jeden Teilnehmer Grundbedingung, ja sogar ein  absolutes Muss, sich von Anfang an off en und ehrlich einzubringen. Alles, was er bei sich oder bei seinem Gegenüber sieht und erkennt, hat er mitzuteilen. Nur so kann jeder ständig besser werden und weiterkommen. Schliesslich ist niemand allwissend. Umso mehr man weiss, umso mehr stellt man fest, dass sich der «Horizont der Möglichkeiten» und des Wissens ins Unendliche öffnet. Schlagartig wird einem bewusst, dass es viel mehr gibt als bloss schwarz und weiss.

Teamarbeit

Ausbildung und Beschäftigung gewusst wie!Viele Arbeiten sind ohne Weiteres alleine zu bewältigen. Schon darin verbirgt sich jedoch das erste «aber» und damit ein Risiko. Wenn man häufi g oder sogar nur alleine arbeitet, ist es fast unmöglich, die gemachten Fehler zu erkennen und durch das ständige Üben wiederholt und festigt man sie noch ungewollt, bis sie kaum mehr zu korrigieren sind. Das ständige alleine Üben birgt eine Gefahr. Der Hund ist sich während der Arbeit weder andere Hunde noch andere Menschen gewohnt. Bei Prüfungen versagt er dann plötzlich oder noch schlimmer in der Praxis, wenn er in eine ungewohnte Menschenmenge oder zu anderen Hunden kommt. Oft hört man dann die Aussage: «Das hat er bis jetzt aber noch nie gemacht». Dies steigert sich noch darin, dass man sich selbst auch anders verhält, als wenn man alleine mit seinem Hund übt. Hinzu kommt, dass es auch Arbeiten gibt, die man alleine kaum bewältigen kann. So zum Beispiel der Aufbau und die Ausbildung und erst recht die Prüfungsvorbereitungen für die Schleppenarbeit.

Wie schon erwähnt, muss jeder Teilnehmer nicht nur mit seinem Hund aktiv mitmachen, sondern auch sich selbst aktiv einbringen. Für viele Übungen ist es von Vorteil, wenn sich die Gruppe in 2er- Teams aufteilt. Jeder muss für das ehrliche «Coaching» seines Partners off en sein – alle lernen dabei unglaublich viel. Der Hundeführer wird im richtigen Moment auf falsch oder gut Gemachtes hingewiesen. Er lernt, dies anzunehmen, damit umzugehen und es umzusetzen. Der «Coach» lernt seinerseits von den Fehlern und den korrekten Handlungen des Hundeführers. Weiter lernt er, sich so zu verständigen, dass der Hundeführer die gut gemeinte Kritik gerne annimmt. Dadurch, dass die Rollenspiele ständig gewechselt werden, verstärken sich die Qualität und der Erfolg noch mehr. Es zeigt und bestätigt sich, dass «Hündelen» nicht nur «Hündelen», sondern auch eine Lebensschule ist. Am allerwichtigsten bei der Hundeausbildung ist jedoch, dass ein guter «Geist» vorherrscht. Nur wenn alle positiv eingestellt sind, kann motiviert und erfolgreich gearbeitet werden. Wenn man schlechte Laune hat und diese auch weiterverbreitet, darf man auf gar keinen Fall mit dem Hund arbeiten! Dies wirkt sich nämlich sofort auf den Hund und dadurch auf seine Leistung aus und kann eine ganze Gruppe «vergiften». Also nie mit dem Hund arbeiten, wenn man schlechte Laune hat. Es wäre schlecht, wenn zuletzt noch der Hund ungerechterweise die Schelte kriegen würde, welche eigentlich dem menschlichen Gegenüber gegolten hätte.

Ziel der Ausbildung

Bevor man mit der Hundeausbildung beginnt, muss man sich bewusst und im Klaren sein, was alles zu den Grundlagen gehört und was man dem Hund überhaupt beibringen will. Egal welches Ziel man mit der Ausbildung verfolgt, der Auf- und Ausbau des Vertrauens ist das Erste und Wichtigste, was man sich erarbeiten muss. Der Hund muss lernen, sich zu konzentrieren und wissen, wann er etwas gut oder nicht gut macht. Zudem sollte er Spiel- Fressrituale kennen. Für den Hundeführer ist es ein Muss, zu wissen, wie man dem Hund am einfachsten (in seiner Sprache) etwas beibringen kann.

Ich nehme mir jeweils zu Beginn alle Prüfungsordnungen zur Hand, sodass später keine Disziplinen vergessen gehen, und baue sie im ganz kleinen Rahmen auf. Sehr lange arbeite ich mit dem Hund «um mich herum», damit ich in nützlicher Frist immer Einfluss nehmen kann. Dabei halte ich mich an das Sprichwort: «Wer einen hohen Turm bauen will, muss lange am Fundament verweilen».

Den Aufbau der verschiedenen Arbeiten versuche ich wie folgt zu verdeutlichen: Bildlich stelle ich mir einen Personalcomputer vor, auf welchem ich mir einen Ordner «Hundeausbildung» anlege. In diesem erstelle ich so viele Unterordner wie nötig und vergebe entsprechende Titel wie beispielsweise Sitz, Platz, Steh, Voran, Apport, Fährtenarbeit, Schleppenarbeit, Stöbern, Buschieren, etc. In jedem dieser Unterordner beginne ich in kleinem Rahmen zu schreiben. Ein Beispiel: Unterordner Sitz. Ich nehme den Welpen zu mir, ein paar Futterbrocken in die Hand und führe diese an die Hundeschnauze, damit er versucht das Futter durch allerlei Tricks zu kriegen. Wenn ich dem Hund geschickt, im richtigen Moment die Hand mit dem Futter drin und ausgestrecktem Zeigefinger in nächste Nähe hinhalte, ist unter den Tricks auch das «Sitz» dabei. Macht er dies, sage ich blitzschnell «Sitz», lobe ihn und belohne ihn mit einem Stück Futter. Der Hund wird dann gezielt mit einer Handbewegung und dem Befehl «Frei» aus dem «Sitz» befreit. Die Übung kann beliebig wiederholt werden. Dieses Beispiel zeigt, dass wir so in der Lage sind, im kleinsten Rahmen etwas nieder zuschreiben, auszuführen und anschliessend in den Unterordner abzuspeichern bzw. diesen wieder zu schliessen.

Wir können so den «Unterordner» nach Gutdünken und zu jeder Zeit (auch nach längeren Pausen) immer wieder öffnen, um weiterzuschreiben bzw. weiterzuarbeiten. Haben wir aber einen Ordner mit einem bestimmten Thema vergessen, ist es später fast nicht mehr möglich, diesen noch nachträglich zu erstellen.

Text und Fotos: Ueli Bärtschi

Filed under: Hunde, Jagd & Umwelt

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