Anschaffung eines vierläufigen Jagdgefährten

· Februar 28, 2013

Die Anschaffung und Haltung eines Welpen ist etwas vom Allerschönsten im Hundewesen. Unser Hundeexperte Ueli Bärtschi erklärt uns, worauf bei der Auswahl und beim Kauf besonders geachtet werden muss.

Anschaffung eines vierläufigen Jagdgefährten«Wofür brauchen Sie überhaupt einen Hund?» Dies ist an meinen Welpen- seminaren eine der ersten Fragen, welche ich an die Kursteilnehmer richte. Deren Beantwortung erweist sich als sehr schwierig. Man muss wissen, dass die meisten Kurs- besucher zu diesem Zeitpunkt schon einen Welpen besitzen und diese Frage trotzdem nicht einfach so beantworten können.

Hunde gehören zu den allerersten Haustieren des Menschen und wurden vermutlich schon seit jeher, nicht immer nur für ganz klar definierte Aufgaben und Arbeiten, gehalten. Bei der Mensch-Hund- Beziehung muss viel mehr dahinterstecken, als wir uns ausmalen können. Dies beweist uns nur schon der aktuelle Boom im Hundewesen und in der Hundehaltung. Es gibt immer mehr Hunde und Hundehalter. Viele schaffen sich den Hund nicht etwa an, weil dieser eine bestimmte Arbeit im klassischen Sinn erfüllen soll, sondern vielmehr, um dem Halter und seinem Umfeld Gesellschaft zu leisten. Der Hund soll in der Nähe sein und mit seiner besonderen und feinfühligen Art helfen, positive Stimmungen, Gefühle und das Wohlbefinden herbeizuzaubern. Es gibt ausführliche und sehr spannende Studien zu dieser Thematik.

Wir Jäger sind mit unseren Hunden meist in einer ganz besonders privilegierten Lage. Unsere Hunde haben, nebst all dem Aufgezählten, noch eine «richtige » Aufgabe – sie werden für die Jagd eingesetzt. Damit dürfen sie ihren Jagdtrieb ausleben und zu unseren Gunsten und nach unseren Vorstellungen Aufgaben vor und nach dem Schuss erfüllen.

Wofür brauche ich genau «den» Hund? Oder anders gefragt, was möchte ich als neuer Besitzer mit dem Hund in Zukunft am liebsten machen? Wofür möchte ich ihn unbedingt einsetzen? Die Beantwortung dieser, von mir immer wieder gern gestellten, Frage fällt den meisten Hundehaltern leicht: «Auf jeden Fall will ich ihn so ausbilden, dass ich Nachsuchen mit ihm machen kann.» Da erlaube ich mir jetzt, ein wenig auszuschweifen und diese Aussage genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich bin der Meinung, dass dies genau der springende Punkt bei der Auswahl vor der Anschaffung eines Hundes ist. Ein Beispiel: Wurden einem Hund sehr kurze Beine angezüchtet, kann dies bei der lauten Jagd durchaus Vorteile haben. Der Hund kommt weit hinter dem Wild her. Dieses wird dadurch nicht hochflüchtig und hat immer wieder Gelegenheit, zu verhoffen und zu sichern. Derselbe Hund wird auf einer Nachsuche, wenn es zu einer Hatz kommt, genau aus diesem Grund nicht genügen können. Der Hundehalter wehrt sich dann jeweils mit der Antwort, dass der Hund ja nur für die Totsuchen eingesetzt werden soll. Diese Aussage hinkt natürlich gewaltig. Man stelle sich nur mal eine Nachsuche auf ein mit Schrot beschossenes Reh vor, wo häufig keine Schusszeichen festzustellen und kaum aussagekräftige Pirschzeichen vorhanden sind. In einem solchen Fall kann kein Nachsuchenführer beurteilen, ob es sich tatsächlich um eine Totsuche handelt. Wenn das Wild dann aus dem letzten, warmen Wundbett flüchtet und es nicht möglich ist, ihm einen tödlichen Schuss anzutragen, der Hund nicht geschnallt wurde, weil er ja eh nicht dafür geeignet ist, bekomme ich oftmals die Aussage zu hören: «Es war halt einfach doch noch zu gesund.» Wird das Stück Wild auf der Nachsuche verendet gefunden, ist dies zwar eine wunderschöne und nicht unwichtige «Nebenerscheinung». Ist dies jedoch nicht der Fall, fängt genau dann erst der wichtigste und damit der Hauptteil der Nachsuche an. Das Wild zu finden, es zu kriegen und von seinen Qualen zu erlösen, ohne ihm weitere zuzufügen, das muss das Ziel sein, das müssen wir uns als gerechte Nachsuchenführer auf die Banner schreiben.

 

Entscheidet sich ein Hundehalter dafür, mit seinem Hund später einmal Nachsuchen zu machen, muss er im Voraus wissen, welcher Hund bzw. welche Rasse sich für welche Art von Nachsuchen eignet. Eine wichtige Grundvoraussetzung ist, dass der ausgewachsene Hund über eine gewisse Körpergrösse, Kraft und Geschwindigkeit verfügt. Zudem muss er in seinen Veranlagungen, also angewölft, unbedingt ein sehr gutes Wesen, eine sehr gute Nasengüte, Passion, Laut, Arbeitsfreude, Härte und Schärfe mitbringen, damit es überhaupt möglich ist, den Nasengebrauch, den Spurwillen, die Spursicherheit sowie den Finderwillen in einem nützlichen Rahmen zu fördern. Sind diese Grundlagen vorhanden, ist es möglich, einen Hund perfekt in der Nachsuchearbeit auszubilden und ihn, bis hin zu den schwierigsten Arbeiten, erfolgreich zu führen. Bei den Nachsuchen ist es ungemein wichtig, von Anfang an mit den besten verfügbaren Ressourcen zu arbeiten.

Entscheidet sich der Halter für einen Hund, mit welchem keine Nachsuchen gemacht werden sollen (was die Teilnahme an Schweissübungen oder Schweissprüfungen nicht ausschliesst), sondern für einen Hund, der jagdlich eingesetzt werden soll, wird die Auslese viel einfacher. Gewisse Kriterien wie Härte, Schärfe, Grösse, Stärke, Schnelligkeit sind dann nicht mehr so zwingend relevant.

Es ist sogar so, dass es viele Hunderassen gibt, die gezielt für gewisse Jagdarten gezüchtet wurden und sich deshalb dafür besonders eignen.

Der Züchter

Am Züchter hängt zu Beginn die grösste Last und Verantwortung, das Richtige zu tun und das bewusst Falsche unbedingt zu unterlassen. Er ist verantwortlich für die geeigneten Elterntiere. Handelt er egoistisch, nur weil er aktuell diese gewisse Hündin besitzt und obschon er ihre Mängel kennt, bringt ihm dies züchterisch meist nur Nachteile und häufig unzufriedene Welpenkäufer ein. Ein guter Züchter zeichnet sich durch Selbstkritik und ein grosses Wissen aus, welches er bei der Auslese der Elterntiere und der Aufzucht auch umsetzt.

Die Auswahl

Wir können uns den Welpen aussuchen, er uns nicht. Ob das gut ist oder nicht, will ich folgendermassen kommentieren: Wenn wir in den kühnsten Vorstellungen einmal alles umdrehen würden und wir die Hundewelpen wären, so wüssten wir eindeutig, zu wem wir gerne gingen und was dort unsere Aufgaben sein sollten. Wir wüssten, wie wir gerne behandelt und gehalten würden und worauf wir auf gar keinen Fall verzichten möchten. Häufig werde ich gefragt, worauf denn bei der Auswahl unbedingt zu achten sei und welche Tests bei den Welpen wohl die besten seien. Da gibt es ja die unglaublichsten und kuriosesten Dinge, die mit den kleinen Tierchen angestellt werden und wie die jeweilige Auswahl vonstattengeht.

Wenn man sich für einen «Papierhund» entscheidet, hat man schon eine grosse Gewähr, dass der Welpe, durch die Zuchtauslese seiner Vorfahren und deren nachgewiesene Leistungen, den Beschreibungen in seinem Standard sehr nahe kommt. Gibt es bei der ausgewählten Rasse sogar eine Zuchtwertschätzung, liegt die Wahrscheinlichkeit einer «Vorhersage » der besonderen Qualitäten und Veranlagungen noch näher an der Realität. Obschon bei den Rassehunden alle von den Vorfahren erbrachten Leistungen im Stammbaum nachgewiesen sind, ist dies erst ein Teil der massgebenden Aussagen. Denn ein weiterer sehr wichtiger Teil besteht darin, besonders die Eltern, aber auch die Geschwister und anderen Familienmitglieder im harten Jagdeinsatz zu sehen. Diesen Aufwand zu betreiben, ist leider oft fast nicht möglich. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Aufzucht. Die Welpen müssen Rückzugs- und Ruhemöglichkeiten haben, sich an ihren vertrauten Orten geborgen fühlen und ungefähr ab der dritten Woche einen klaren Platz zum Versäubern zur Verfügung haben. Die Mutterhündin muss bei ihnen sein können, jedoch ebenfalls Rückzugsmöglichkeiten haben. Der Kontakt mit anderen Hunden, anderen Tieren und mit den Menschen, darf nicht vernachlässigt werden. Die Welpen müssen ständig die Möglichkeit erhalten, die Umwelt und die Umwelteinflüsse in einem «gesunden» Rahmen erleben und sich artgerecht und vielseitig entwickeln zu können.

Aus meiner Sicht ist es bei der Vorauswahl sehr wichtig, ja sogar das Wichtigste, die Hündin anzuschauen und genau unter die Lupe zu nehmen, und zwar bevor man sich die Welpen anschaut. Ansonsten ist es meist sowieso sofort um einen geschehen. Besonders wenn man zum Welpenkauf die Familie mitnimmt. Warum, werden Sie sich vielleicht fragen, ist es so wichtig die Hündin anzuschauen? Welpen werden ihrer Mutter in ihrer Art und ihrem Wesen fast immer und in ihrem Aussehen oft sogar sehr ähnlich sein. Die Hündin gibt nicht nur ihr Erbgut weiter, sondern vermittelt den Welpen von Beginn an gewisse positive und negative Verhaltensweisen.

Auswahlkriterien und Tests

Erst wenn die Haltung, die Aufzucht, die Eltern und das Gesamtbild des Wurfs überzeugen, erst dann darf man sich mit den einzelnen Welpen befassen. Wurde im Ausland aus einem Wurf von normalerweise coupierten Welpen einen uncoupierter vorbestellt und/oder dieser sogar vorausbezahlt, bleiben nicht mehr sehr viele Möglichkeiten.

Vor dem Kaufentscheid sollte man sich zumindest so viel Zeit nehmen, dass man die verschiedenen Phasen wie Fressen, Versäubern, Schlafen und Spielen mindestens einmal gesehen hat. Sind die Welpen vor Ort aktiv, sollte der Käufer die Möglichkeit haben, sich mit dem oder den Favoriten einzeln zu befassen. Meine persönliche Vorstellung von den Veranlagungen des für mich geeigneten und idealen Welpen sind vor allem Ruhe, Nervenstärke, Belastbarkeit und Neugierde sowie Beiss-, Greif- und Tragfreude. Das eine kann ich durch scharfes Beobachten, ohne mich in die Aktivitäten einzumischen, feststellen, das andere, indem ich mich als Mensch im Wurf integriere, mit den Welpen spreche, mit ihnen spiele und sie streichle. Im Weiteren ist die Reizangel immer noch eines der genialsten Hilfsmittel. Hängt an der Angel beispielsweise ein Marder dran, zeigt der Welpe durch sein Verhalten, durch das Anschleichen, eventuell Vorstehen, Hetzen, Greifen (wo setzt er den Griff an?), Kämpfen und anschliessendes Tragen unglaublich viel. Ich finde es ratsam und sehr wichtig, wenn man einen befreundeten Hundekenner als ehrlichen Berater mitnimmt. Sollte etwas überhaupt nicht stimmen, kann dieser als aussenstehender Berater eher ein ehrliches Urteil fällen und den Kaufinteressenten vom Kauf abhalten oder diesen befürworten.

Kommt es zum Kauf, beginnt erst die grosse Arbeit. Der Hundehalter muss sich bewusst sein, dass am Anfang kaum mehr Zeit für etwas anderes übrig bleibt. Ständig muss er sich mit dem Welpen beschäftigen, denn dieser sollte zu Beginn so wenig wie möglich alleine gelassen werden. Und will man bald einen stubenreinen Hund, ist regelmässiges, und besonders nach jedem Spielen, Fressen oder Schlafen sowie Versäubern angesagt. Auch sollte man sich, schon bevor der Welpe da ist, im Klaren sein, was mit diesem in den ersten Wochen alles unternommen werden muss. Wo er wann untergebracht wird und welche Übungen mit ihm durchgeführt werden sollen.

Text und Fotos: Ueli Bärtschi

Filed under: Biologie & Jagdtechnik

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