Allianz für Wild und Natur am Hochrhein

· September 24, 2012

Was am 30. August im historischen Saal des bestbekannten Gasthofs Rheinfels in Stein am Rhein ablief, sah aus wie ein gewöhnliches Jägerfest: Jagdhornbläser, ein paar Ansprachen, ein köstliches Mahl und gute Gespräche unter gleichgesinnten Lodengrünen. Aber in Wirklichkeit war dieses Gastmahl etwas Besonderes: der Lohn für freiwillige Arbeit und die Bestätigung einer Allianz, die nirgends so wirksam ist wie am Hochrhein.

Andres Knutti, Fischereiexperte vom BAFUGastgeber war der Kantonale Fischereiverband Schaffhausen, eingeladen waren die an den Rhein angrenzenden Schaffhauser und Thurgauer Jagdgesellschaften sowie eine Delegation vom deutschen Ufer. Dazu gesellten sich die Jagdverwalter und Fischereiaufseher, die einschlägigen Fachgremien und ein Vertreter des Vogelschutzes. Das gemeinsame Thema des Abends war die Vergrämung der Kormorane.

«Schrecklich», wird mancher Jäger seufzen und an erregte Szenen mit Spaziergängern denken, die nicht verstehen können, dass man manche der gefrässigen Fischräuber halt vom Himmel holen muss. Warum sollen die Jäger den Fischern die Kastanien aus dem Feuer holen und sich öffentlichen Angriffen aussetzen? Dass dies genau die falsche Denkweise ist, hat sich an diesem Abend bestätigt. Die Lehre lautet: Umweltprobleme und Nutzungskonflikte sind nur lösbar, wenn sich alle Beteiligten und Betroffenen zusammensetzen, offen ihre Positionen darlegen und gemeinsam handeln.

Am Hochrhein, zwischen Stein am Rhein und Schaffhausen, sieht das so aus: Der von Fredy Springmann präsidierte Fischereiverband Schaffhausen hat eine Kommission zur Rettung der Rheinäsche ins Leben gerufen und damit das Problem – wie schon der Name sagt – ganzheitlich angegangen. Es gibt ein Erhaltungskonzept, das auf drei Säulen ruht:Wenn die Wassertemperatur 22 Grad überschreitet und es für die empfindlichen Äschen kritisch wird, wird ein gut trainierter Apparat von freiwilligen Eingreiftruppen samt Maschinenunterstützung in Marsch gesetzt, der die Äschenbestände in kühlere Nebengewässer lenkt. Zweitens: Wenn sich im Herbst die ziehenden Kormorane zu den sesshaften Standvögeln gesellen – sagen wir, wenn mehr als 50 Schwarze sichtbar sind – rücken die Jäger in Booten aus und tätigen Reduktionsabschüsse. Und drittens verpflichten sich die Fischer auf eine massvolle und nachhaltige Fischentnahme; es herrscht seit Jahren eine auf Einsicht gegründete Haltung des weitsichtigen Verzichts.

Fredy Springmann. Präsident SH-Fischer.«Die Äschenpopulation ist immer noch fragil», sagte Fredy Springmann an diesem Abend, als er den Jägern mit der festlichen Einladung zum Nachtessen für ihren Einsatz dankte. Er lobte die in jahrelanger Arbeit entwickelte angenehme Gesprächs- kultur, was von den anwesenden Vertretern der Kraftwerke ebenso bestätigt wurde wie vom Sprecher des Vogelschutzes. Dr. Daniel Leu, Präsident von Jagd Schaffhausen, hielt ein Plädoyer für das «Rede mitenand» und wies auf das gute Beispiel der Schaffhauser Allianz für die Natur hin, der inzwischen zehn Organisationen angehören, die ihr Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben, sich aber im freundschaftlichen und respektvollen Gespräch zueinanderfinden, wenn es Probleme gibt. Entsprechend grösser ist ihre Wirkung, die sie auf politischer Ebene zu entfalten vermögen: Aus lauter kleinen Minderheiten wird eine Kraft, die eine gewisse politische «Wasserverdrängung» zu entwickeln vermag.

Daniel Leu, Präsident Jagd Schaffhausen.

Daniel Leu wies auf die noch allzu vielen Wissenslücken hin, die rund um Äschen und Kormorane klaffen; er rief zur Selbstkritik (auch gegenüber lieb gewonnenen Vorurteilen) auf sowie zur Einhaltung der Spielregeln, die allen Jägern und Fischern bekannt sind: Einhaltung der Grenzen (Stein-Büsingen), Kormoranjagd nur vom Boot aus,Absprache mit dem bezeichneten Fischereiaufseher. Auch Andreas Knutti als Vertreter des BAFU zeigte sich beeindruckt von der einvernehmlichen und aufgeräumten Stimmung, die ein gutes Klima widerspiegelt.

Und als die Jagdhornbläser Hochwacht «zum Aser» riefen, gab es zwar keine Kormoranbrüstchen (was Daniel Leu als Leckerbissen empfahl), aber ungemein delikate Äschenfilets, die Präsident Springmann in der Woche zuvor persönlich geräuchert hatte.

Text: Karl Lüönd

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