Agrarpolitik 2014-17 als letzte Chance für Schweizer Feldvögel

· August 21, 2012

Die Agrarpolitik der letzten Jahrzehnte führte zu riesigen Verlusten bei den Brutvogelarten der Landwirtschaftsgebiete. Heute leben rund 350 000 Vögel weniger auf unseren Äckern und Wiesen als noch vor 20 Jahren. Die Schweizerische Vogelwarte Sempach und der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz rufen deshalb das Parlament eindringlich dazu auf, die vom Bundesrat in der Agrarpolitik 2014–17 vorgeschlagenen Verbesserungen ohne Abstriche anzunehmen.

Die Feldlerche. Welches Kind kann ihren Gesang heute noch hören?Den Verlust von 350 000 Land- wirtschaftsvögeln berechnete die Schweizerische Vogelwarte Sempach aus den Bestandstrends von Vogelarten, die in den land- wirtschaftlich genutzten Gebieten der Schweiz erhalten und gefördert werden sollen. Dieses Ziel hatten die Bundesämter für Landwirtschaft (BLW) und Umwelt (BAFU) in ihren «Umweltzielen Landwirtschaft» vorgegeben.

«Die Bestandeskurve der Brutvögel von Wiesen und Äckern zeigt steil nach unten. Viele früher häufige Arten wurden aus dem Mittelland verdrängt», sagt Markus Jenny, Landwirtschaftsexperte der Vogelwarte. Vom Rückgang ist aber seit einiger Zeit auch das Berggebiet betroffen: «Im Unterengadin beispielsweise sind die Bestände der Wiesenvögel innerhalb von 20 Jahren um die Hälfte eingebrochen. »

«Allein im Kanton Zürich verschwanden zwischen 1986/88 und 2008 vier Fünftel aller Feldlerchen», konkretisiert Werner Müller, Geschäftsführer des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz. Und er fragt: «Welches Kind kennt heute noch den jubilierenden Gesang der Feldlerche?»

Der Grund für das Vogelsterben: Die Agrarpolitik fordert von der Landwirtschaft zu wenig konkrete Resultate zum Erhalt der Biodiversität ein. Der Gegenwert für die jährlich rund 2,8 Mia. Franken Direktzahlungen ist diesbezüglich nach Meinung von Vogelwarte und Bird- Life völlig ungenügend. Mit jährlichen Pauschalbeiträgen von 865Mio.Franken für die Haltung von Tieren wird ein Anreiz für zu hohe Tierbestände geschaffen. Dies führt zu einer Produktion, die nicht an den Standort angepasst und auf hohe Futtermittelimporte angewiesen ist. Die zu hohen Tierbestände verursachen eine eigentliche Nährstoffschwemme, welche die artenreichen Wiesen und mit ihnen die Schmetterlinge und Wiesenvögel zum Verschwinden bringt.

Zahlreiche, sehr positive Beispiele in der Landwirtschaft beweisen, dass die Schweizer Bäuerinnen und Bauern durchaus in der Lage wären, eine standortgerechte Produktion von Nahrungsmitteln mit artenreichen Lebensräumen zu kombinieren («Brot und Blumen»). Wegen der geringen Anreize sind das bis heute aber Tropfen auf den heissen Stein.

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